Eckpunkte der Entwicklung
Regionalplan Mittelhessen auf einen Blick
Lahn-Dill / Biedenkopf, 08.12.09
Schnelle Breitbandverbindungen müssen flächendeckend verfügbar sein. So eine Eingabe der Industrie- und Handelskammern Mittelhessens für den zweiten Entwurf des Regionalplans 2009.
Die Vorgaben für die langfristige wirtschaftliche Entwicklung in Hinsicht auf die Verkehrssituation, die Ausweisung von Flächen, Energie, Rohstoffe und touristischer Infrastruktur wurden erneut überarbeitet. Ihre LahnDill Wirtschaft präsentiert Ihnen die wichtigsten Positionen zum Regionalplan-Entwurf auf einen Blick. Rechtsverbindlich wird der Regionalplan nach erneuter Beratung durch die Regionalversammlung voraussichtlich im Jahr 2010. Ausweisung zusätzlicher Gewerbe- und Industrieflächen
Die mittelhessischen Industrie- und Handelskammern haben sich für eine angebotsorientierte Ausweisung von Gewerbe- und Industrieflächen eingesetzt. Daraufhin wurden neue gewerbliche Entwicklungsflächen im Regionalplan in den Bereichen Herborn, Elz, Niederwetter, Ebsdorfergrund, Wenkbach und Bürgeln ausgewiesen. Zusammen mit den Flächen, die schon jetzt für Investoren durch private und kommunale Anbieter verfügbar sind, sind die Voraussetzungen für eine zukunftsorientierte Gewerbeflächenentwicklung geschaffen.
Grundsätzlich müssen Erweiterungen von Gewerbegebieten in ausgewählten Ortsteilen aber auch kurzfristig möglich sein. Voraussetzung dafür ist, dass sie besonders attraktiv für Betriebe sind, verkehrsgünstig liegen oder ein Investor bereits in Aussicht ist. Lange Abweichungsverfahren vom Regionalplan schrecken Investoren ab. Schnelle Breitbandverbindungen müssen nach Ansicht der Industrie- und Handelskammern flächendeckend verfügbar sein. Die Verlegung von Leerrohren bei Tiefbauarbeiten sollte konsequent durchgeführt und zentral erfasst werden, damit gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt Glasfaserkabel eingezogen werden können. Der Regionalplan sollte berücksichtigen, dass jedes Gewerbegebiet bereits bei der Erschließung mit Zugang zu schnellem Internet ausgestattet wird.
Straßenneu- und -ausbau sichert Wohlstand in Mittelhessen
Der Regionalplan fordert, dass regional und überregional wichtige Verkehrsprojekte realisiert werden: Ausbau der A 45, der B 49, der A 5 zwischen dem Anschluss der A 49 und dem Gambacher Kreuz und Weiterbau der A 49. Der Ausbau der A 45 war eine Forderung der Industrie- und Handelskammern, die jetzt neu aufgenommen wurde. Zudem ist es für die Wirtschaft wichtig, dass Teilabschnitte der A 49 zeitnah gebaut und leistungsfähige Zubringer zu einer Bundesfernstraße zwischen Krombach und Hattenbacher Dreieck geplant werden.
Im Regionalplan festgeschrieben wurde die Anregung der Industrie- und Handelskammern, die Bedeutung von schnellen und direkten Verbindungen des öffentlichen Personennahverkehrs zu den Mittelzentren besonders hervorzuheben.
Die Industrie- und Handelskammern kritisieren jedoch, dass der Fokus des Regionalplans auf dem Ausbau des Schienengüterverkehrs liegt. Die Ausweitung des Eisenbahnverkehrs ist unter Berücksichtigung des Klimawandels sowie des zunehmenden Güterverkehrsaufkommen sinnvoll. Dabei darf aber der Straßenneubau nicht vernachlässigt werden. Nur für bestimmte Branchen ist der ausschließliche Transport über die Schiene praktikabel. Beispielsweise funktioniert die Verteilung der Güter in die Fläche nicht allein mit der Schiene.
Es sollten weiterhin neben den großräumigen Fernverbindungsachsen aus dem Landesentwicklungsplan weitere Regionalachsen ausgewiesen werden. Die Ausweisung der überörtlich bedeutsamen Nahverkehrs- und Siedlungsachsen sollten ebenfalls beibehalten werden.
Die großräumigen und landesweit bedeutsamen Entwicklungsachsen wurden im Regionalplan aus dem Landesentwicklungsplan übernommen und als regionale Achsen ausgewiesen. Darüber hinaus sollten für die Region Mittelhessen weitere Achsen ausgewiesen werden, die regionalbedeutsam sind. Sie stellen einen wichtigen Standortfaktor für die dort ansässigen Betriebe dar, da sie eine große Bedeutung für die Erschließung der Region Mittelhessen als Zubringer zu den großräumigen Verbindungsachsen und zu den Ober- und Mittelzentren haben. Beispiele hierfür sind die B 49 / B 254 im Verlauf Gießen- Lauterbach, die B 253 im Verlauf Biedenkopf – Dillenburg und die B 456/ L 3109 im Verlauf Frankfurt- Weilburg– Mengerskirchen.
Windenergie – Repowering ist der richtige Weg
War im ersten Entwurf des Regionalplans das Repowering von Windkraftanlagen noch ausgeschlossen, ist es auf Anregung der Industrie- und Handelskammern jetzt zulässig. Beim Repowering werden bestehende Anlagen durch modernere und leistungsfähigere ersetzt. Die Anzahl der Anlagen kann dafür reduziert werden. Die Rotoren der stärkeren Windenergieanlagen drehen langsamer und werden optisch als angenehmer wahrgenommen. Unternehmen können ihre bestehenden Anlagen so ökonomisch sinnvoll erneuern.
Rohstoffe verbrauchernah sichern
Der Regionalplan sichert langfristig die Verfügbarkeit von Rohstoffvorkommen vor Ort, wie Sande, Kiese, Tone und Basalt. Die regionalen Bodenschätze sichern zum einen den regionalen Bedarf auf kurzen Transportwegen, zum anderen sind sie auch wichtiges Exportgut. Auch Vorkommen in Naturschutzgebieten sollten nach Meinung des IHK-Verbunds Mittelhessen im Regionalplan flächendeckend dargestellt werden. Bei aufkommender Rohstoffknappheit kann dann eine Abwägung zwischen den Belangen der Wirtschaft und des Naturschutzes durchgeführt werden.
Touristische Infrastruktur in Mittelhessen weiterentwickeln
Den Tourismus anhand der bestehenden Destinationen Lahntal, Vogelsberg, Westerwald und Taunus weiterentwickeln - dies ist eine Forderung der Industrie- und Handelskammern, die nun in den Regionalplan aufgenommen wurde. Über die Destinationen werden bereits erfolgreich touristische Produkte in Mittelhessen vermarktet. Dies zeigt neben anderen Beispielen etwa die Lahn mit ihren 160 paddelbaren Kilometern in der Destination Lahntal, der nahezu steigungsfreie Vulkanradweg in der Destination Vogelsberg oder der neue Weg zur puren Natur, der Westerwaldsteig, in der Destination Westerwald. Auf Grundlage dieser Destinationsstrategie müssen die Infrastrukturen für Fuß-, Rad- und Wasserwandern in Mittelhessen weiterentwickelt und vernetzt werden.
Was die IHK mit dem Regionalplan zu tun hat
Die Industrie- und Handelskammern vertreten im Regierungsbezirk Gießen die Interessen von ca. 65.000 Mitgliedsunternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen. Bei der Neuaufstellung des Regionalplans waren sie in dieser Funktion beteiligt. Dem IHK-Verbund Mittelhessen gehören die Industrie- und Handelskammern Gießen-Friedberg, Lahn-Dill, Limburg und die IHK Kassel in Marburg an. Der Verbund setzt sich gemeinsam für die wirtschaftliche Entwicklung in Mittelhessen ein. Der Regionalplan ist Richtlinie für die gesamte planerische Entwicklung in der Region Mittelhessen. Hier wird zum Beispiel festgelegt, wo Kommunen Gewerbe- und Industrieflächen ausweisen dürfen und wo Naturschutz, Straßentrassen oder Rohstoffabbau vorrangig sind.
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