Frauen holen am Arbeitsmarkt auf
Beschäftigungszuwachs bei den Frauen
Limburg, 09.03.10
Frauen und Männer treffen am Arbeitsmarkt nach
wie vor unterschiedliche Bedingungen an.
Iris Angrick, Beauftragte für
Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, beleuchtet in
der jetzt vorgelegten Broschüre die geschlechtsspezifischen
Entwicklungen des heimischen Arbeitsmarktes.
Insgesamt habe sich in den letzten
zehn Jahren die Beschäftigungssituation für
Frauen im Kreis Limburg-Weilburg verbessert,
kommentiert Angrick den Trend.
Obwohl Konjunkturschwankungen in der Vergangenheit
immer wieder zu Arbeitsplatzverlusten
geführt haben, konnte die Zahl der versicherungspflichtig
Beschäftigten im Landkreis Limburg-Weilburg in den Jahren 1999 bis 2009 insgesamt
um 578 auf 43.977 gesteigert werden. Allerdings lag die Zahl der beschäftigten Männer im letzten
Jahr noch 807 Zähler unter dem Wert von 1999. Anders bei den Frauen: Hier hat sich in den letzten
zehn Jahren ein Beschäftigungszuwachs von 1.385 sozialversicherten Arbeitsplätzen eingestellt.
Die Arbeitsplatzgewinne resultierten dabei insbesondere aus der Zunahme der Teilzeitbeschäftigung,
die um fast 30 Prozent zugenommen hat. Zudem seien Frauen vorwiegend im Dienstleistungsbereich
tätig. Dieser Sektor sei nicht so dramatisch von konjunkturell bedingten Beschäftigungsverlusten
betroffen gewesen wie das verarbeitende Gewerbe, in dem vorwiegend Männer
arbeiten, begründet die Arbeitsmarktexpertin die Entwicklung.
Die Teilzeitbeschäftigung hat insgesamt, sowohl bei den Frauen als auch bei Männern zugelegt.
Obwohl sich die Zahl der teilzeitbeschäftigten Männer seit 1999 verdoppelt hat, ist Teilzeit weiterhin
eine Frauendomäne. 1.039 Männer oder 4,6 Prozent der erwerbstätigen Männer gehen einer Teilzeitbeschäftigung
nach. Demgegenüber stehen 8.417 teilzeitbeschäftigte Frauen. Dies entspricht
einem Anteil von 39,8 Prozent aller erwerbstätigen Frauen. Nicht wesentlich anders sieht es bei den 14.966 Geringverdienern im Landkreis Limburg-Weilburg
aus. Die Zahl der geringfügig Beschäftigten ist seit der Einführung der 400-Eurogrenze im Jahr 2003
um mehr als zwanzig Prozent gestiegen. Zwei Drittel (10.277 Personen) aller geringfügig Beschäftigten
sind Frauen. 74,0 Prozent dieser geringfügig beschäftigten Frauen (7.602 Arbeitnehmerinnen)
haben kein zusätzliches Erwerbseinkommen.
Geschlechtspezifische Unterschiede findet man auch bei den Beschäftigungsschwerpunkten.
Frauen arbeiten vorwiegend in Organisations-, Verwaltungs- und Büroberufen sowie im Handel und
Gesundheitswesen. Bei den Männern dominieren Metall-, Verkehrs-, Büro- und Bauberufe.
Auch bei der Entwicklung der Arbeitslosigkeit treten deutliche Abweichungen bei den Geschlechtern
zu Tage. Hat die durchschnittliche Arbeitslosenquote der Männer im Jahr 2009 noch 6,0 Prozent
betragen, waren im gleichen Zeitraum 6,5 Prozent der Frauen von Arbeitslosigkeit betroffen. Im Jahr
zuvor lag die Quote bei den Männern noch bei 6,6 Prozent, bei den Frauen bei 7,7 Prozent. Der
Abstand habe sich somit innerhalb eines Jahres halbiert, heißt es bei der Arbeitsagentur.
Das Thema Langzeitarbeitslosigkeit wird zunehmend zu einem Frauenproblem. 36,5 Prozent der
arbeitslosen Frauen sind seit über einem Jahr ohne Beschäftigung. Bei den Männern beträgt der
Anteil lediglich 22,8 Prozent. Noch größer wird der Unterschied bei den Teilzeitarbeitsuchenden.
Hier liegt der Anteil der erwerbslosen Frauen bei 41,1 Prozent. Nur 2,6 Prozent der arbeitslosen
Männer suchen einen Teilzeitarbeitsplatz.
Positive Botschaften hat Angrick für junge Frauen. Diese hätten deutliche Vorteile auf dem Arbeitsmarkt.
So seien im vergangenen Jahr durchschnittlich 15,1 Prozent der unter 25jährigen Männer
arbeitslos gewesen. Bei den Frauen habe der Anteil in dieser Altersklasse bei 10,6 Prozent gelegen.
Noch günstiger sieht es beim Berufsnachwuchs aus. Angrick stellt fest: „Wenn es um Ausbildung
geht, haben junge Frauen wegen ihres hohen Anteils qualifizierter Schulabschlüsse inzwischen wesentlich
bessere Chancen“. Die Arbeitsagentur belegt dies mit Zahlen: Von den 801 Ausbildungsbewerberinnen
des letzten Jahres verfügten 61,1 über einen Realschul- oder höheren Abschluss.
Bei den Jungs (1.041 Bewerber) lag die Quote bei 46,4 Prozent. Ohne Schulabschluss begaben
sich sieben Mädchen (0,9 Prozent) auf Ausbildungssuche. Dem standen 19 männliche Ausbildungsbewerber
(1,8 Prozent) ohne Schulabschluss gegenüber.
Junge Männer und Frauen haben nach wie vor unterschiedliche Ausbildungswünsche. Auf der
Wunschliste der Mädchen aus dem Kreis Limburg-Weilburg stehen Büro- und Verkaufsberufe auf
den ersten Plätzen der beliebtesten Ausbildungsberufe. Die meisten männlichen Mitbewerber suchen
weiterhin vorwiegend eine Stelle als Kfz.-Mechatroniker.
Die Broschüre mit den ausführlichen Daten findet man im Internet unter www.arbeitsagentur.de >
Partner vor Ort > Hessen > Limburg > Agentur > Bürgerinnen & Bürger > Chancengleichheit.
Foto: Auch wenn sich der Arbeitsmarkt verändert – nur wenige
Frauen suchen eine Ausbildung im Handwerk
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