Arbeitsmarkt Juli
Arbeitsmarkt macht Sommerferien
Limburg-Weilburg, 30.07.10
Arbeitslosenquote steigt im Juli saisonbedingt um 0,3 Prozentpunkte auf 6,1 Prozent / 299 Arbeitslose mehr als im Vormonat (+5,9 Prozent), 256 weniger als im Juli 2009 (-4,5 Prozent)
Im Landkreis Limburg-Weilburg ist die Zahl der Arbeitslosen im Juli 2010 gegenüber dem Vormonat um 299 auf 5.394 Personen gestiegen. Die Arbeitslosenquote liegt im Juli bei 6,1 Prozent, bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen. Im Juni betrug die Quote 5,8 Prozent. Vor Jahresfrist waren 5.650 Arbeitslose gemeldet - die Arbeitslosenquote betrug seinerzeit 6,4 Prozent.Die Arbeitskräftenachfrage lag im Juli 2010 erneut über Vorjahresniveau: 504 gemeldete versicherungspflichtige Stellen bedeuteten einen Anstieg von 23,2 Prozent gegenüber Juli 2009.
„Wie jedes Jahr im Sommer sind auch in diesem Juli die Arbeitslosenzahlen gestiegen. Das entspricht dem normalen Zyklus des Arbeitsmarktes und beruht vorwiegend auf saisonalen Ursachen“, kommentiert Agentursprecher Ralf Fischer die Arbeitsmarktbilanz für den Monat Juli. Der Arbeitsmarkt verabschiede sich gewissermaßen alljährlich im Juli in die Sommerferien. Während in den Betrieben weniger Einstellungen getätigt würden, meldeten sich in dieser Zeit sehr viele Schulabgänger aus formalen Gründen arbeitslos, um beispielsweise Kindergeldansprüche zu realisieren. Nach den Ferien folge dann häufig eine Welle von Abmeldungen ins Studium oder in Schul- und Berufsausbildungen. Belastet würde der Arbeitsmarkt im Juli zudem turnusgemäß von Ausbildungsabsolventen, die nach der Lehre nicht übernommen worden seien oder erst nach den Betriebsferien einen Vertrag bekämen, führt Fischer fort. „Arbeitgeber, die in diesen Tagen schnell am Markt agieren, können dem drohenden Fachkräftemangel jetzt noch ein Schnippchen schlagen“, ist daher sein Tipp an die Betriebe. Der Sprecher ist überzeugt, dass ein Großteil dieser gut ausgebildeten Kräfte nach den Sommerferien wieder in Beschäftigung einmündet, sofern die Wirtschaft weiter an Fahrt gewinne. Fischer sieht in den gestiegenen Erwerbslosenzahlen keinesfalls eine negative Trendwende für den Arbeitsmarkt im Kreis Limburg-Weilburg. Der Anstieg liege exakt im Mittel der Juli-Steigerungen der Vorkrisenjahre und die Zahl der gemeldeten Stellen übertreffe weiterhin in erheblichem Maße die Kräftenachfrage des vergangenen Jahres. Auch liege die Beschäftigungslosigkeit im Juli erneut deutlich unter dem Wert des Vorjahres.
Zu- und Abgang an Arbeitslosen
Im Juli wurden 1.868 Arbeitslosenzugänge registriert, 202 oder 12,1 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Gleichzeitig meldeten sich im abgelaufenen Monat 1.567 Personen aus der Arbeitslosigkeit ab. Dies sind 57 Abmeldungen oder 3,8 Prozent mehr als vor Jahresfrist. 393 dieser Abmeldungen resultierten aus Be- schäftigungsaufnahmen am ersten Arbeitsmarkt. Gegenüber dem Vorjahresmonat bedeutet dies ein Plus von 0,8 Prozent.
Bestand an Arbeitslosen
Die Gesamtzahl der Arbeitslosen im Landkreis Limburg-Weilburg stieg im Juli um 299 Erwerbslose oder 5,9 Prozent auf 5.394 Personen. Sie liegt somit um 256 Personen oder 4,5 Prozent niedriger als im Vorjahr.
1.759 Arbeitslose oder 32,6 Prozent sind dem Personenkreis des SGB III zuzuordnen, der von der Agentur für Arbeit Limburg betreut wird. Im Vergleich zum Vormonat entspricht dies einem Anstieg von 206 Arbeitslosen oder 13,3 Prozent - gegenüber dem Vorjahr waren 274 Arbeitslose weniger zu verzeichnen (-13,5 Prozent).
3.635 Arbeitslose oder 67,4 Prozent gehören dem Personenkreis des SGB II an. Die Betreuung dieser Ar-beitslosen liegt im Verantwortungsbereich der Arbeitsgemeinschaft Limburg-Weilburg.
Die Arbeitsgemeinschaft betreut somit 93 Arbeitslose mehr als im Juni (+2,6 Prozent). Der Vorjahresbestand wurde um 18 Personen oder 0,5 Prozent überschritten.
Arbeitslosenquote
Die Arbeitslosenquote für den Bezirk Limburg-Weilburg berechnet sich auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen. Sie nahm im Juli um 0,3 Prozentpunkte auf 6,1 Prozent zu. Vor einem Jahr betrug die Quote 6,4 Prozent.
Männer und Frauen
Bei den Männern erhöhte sich die Zahl derer, die arbeitslos sind, gegenüber dem Vormonat um 5,3 Prozent oder 138 Personen auf 2.760 Erwerbslose. Bei den arbeitslosen Frauen war ein Anstieg um 161 Personen (+6,5 Prozent) festzustellen. Derzeit sind 2.634 Frauen ohne Erwerbsbeschäftigung.
Aufgeschlüsselt nach Rechtskreisen: Die Anzahl der bei der Arbeitsagentur (SGB III) gemeldeten arbeitslosen Männer stieg gegenüber dem Vormonat um 115 (+13,4 Prozent) auf 974 Erwerbslose an. Bei den agenturbetreuten Frauen gab es gegenüber Juni einen Anstieg um 91 Personen oder 13,1 Prozent. Bei der Arbeitsagentur sind aktuell insgesamt 785 erwerbslose Frauen registriert.
Im Rechtskreis des SGB II nahm die Zahl der arbeitslosen Männer im Vormonatsvergleich um 23 auf 1.786 (+1,3 Prozent) zu. Bei den arbeitslosen Frauen verzeichnete die ARGE eine Steigerung um 70 Erwerbslose (+3,9 Prozent). Hier sind nunmehr 1.849 Frauen arbeitslos gemeldet.
Besondere Personengruppen
Jugendliche
Die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren nahm im Juli kräftig zu. Gegenüber dem Vormonat waren 212 Jugendliche mehr gemeldet (nunmehr 765 Arbeitslose). Dies entspricht einem Anstieg von 38,3 Prozent. Die Arbeitslosigkeit dieses Personenkreises bewegt sich unter Vorjahresniveau (-200 absolut entsprechen einem Rückgang von 20,7 Prozent).
Ursachen dieses starken Anstiegs, sind der Beginn der Sommerferien sowie das Ende des Ausbildungsjahres. Viele Schulabgänger melden sich aus formellen Gründen während der Ferien arbeitslos und starten dann im Herbst in eine schulische oder betriebliche Ausbildung. Gleichzeitig meldeten sich viele junge Leute nach der Gesellenprüfung arbeitslos, weil sie nicht oder noch nicht von ihren Ausbildungsbetrieben übernommen wurden. Erfahrungsgemäß wird ein Großteil dieser Fachkräfte nach den Ferien in Beschäftigung übernommen.
Die Agentur für Arbeit unterstützt aktuell 424 Bewerber unter 25 Jahre bei ihren Bemühungen, die Arbeitslosigkeit zu beenden. Dies sind 146 Jugendliche oder 52,5 Prozent mehr als im Juni, bzw. 149 oder 26,0 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.
Bei der ARGE sind derzeit 341 jugendliche Arbeitslose registriert. Dies sind 66 Jugendliche oder 24,0 Prozent mehr als im Vormonat. Im Juli 2009 waren 392 junge Menschen betroffen. Der aktuelle Wert liegt 13,0 Prozent unter dem Vorjahresstand.
Ältere Arbeitnehmer
Die Zahl der älteren Arbeitslosen hat sich im Vergleich zum Vormonat erneut nur geringfügig reduziert. Im Juli 2010 waren 1.278 Arbeitslose älter als 50 Jahre. Dies waren 2 Bewerber weniger als vor Monatsfrist (- 0,2 Prozent). Im Juli 2009 waren noch 59 Arbeitslose (oder 4,8 Prozent) weniger gemeldet.
Die Agentur für Arbeit Limburg weist aktuell 518 ältere Arbeitslose aus, dies entspricht einem Minus von einer Personen oder 0,2 Prozent im Vormonatsvergleich. Gegenüber dem Vorjahr konnte agenturseitig ein Anstieg von 16 älteren Arbeitslosen (+3,2 Prozent) konstatiert werden.
Die Arbeitsgemeinschaft Limburg-Weilburg betreute im Juli 760 ältere Arbeitslose, einen weniger als im Juni (-0,1 Prozent). Im Vorjahresmonat waren 717 ältere Personen bei der ARGE gemeldet.
Ausländer
Die Zahl der von Arbeitslosigkeit betroffenen Ausländer hat sich binnen Jahresfrist um 0,2 Prozent oder 2 auf 1.082 Personen erhöht. Gegenüber Juni weist die Arbeitsmarktstatistik einen Anstieg um 49 Arbeits-lose oder 4,7 Prozent aus. Die Arbeitsagentur meldet 132 arbeitslose Ausländer, dies sind 32 oder 19,5 Prozent weniger als im Juli 2009. Bei der Arbeitsgemeinschaft sind derzeit 950 Ausländer als arbeitslos registriert, 34 oder 3,7 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.
Langzeitarbeitslose
Die Langzeitarbeitslosigkeit konnte weiter reduziert werden. Waren im Juli 2009 noch 1.593 Personen von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen, sind aktuell noch 1.525 Langzeitarbeitslose gemeldet – ein Rückgang von 4,3 Prozent.
Schwerbehinderte
Der Anteil der Schwerbehinderten unter den Arbeitslosen beträgt 6,7 Prozent. Im Juli waren 360 schwerbehinderte Personen arbeitslos gemeldet, 44 mehr als im Jahr zuvor. Der Anstieg entspricht 13,9 Prozent. Während der Rechtskreis SGB III im Vorjahresvergleich einen Anstieg von 54 erwerbslosen Schwerbehinderten (+ 34,2 Prozent) hinnehmen musste, konnte die ARGE die Zahl der schwerbehinderten Arbeitslosen im gleichen Zeitraum um 10 Personen oder 6,3 Prozent abbauen.
Gemeldete Stellen
Im Juli meldeten die heimischen Betriebe und Verwaltungen 504 neu zu besetzende versicherungspflichtige Stellen. Dies war 95 oder 23,2 Prozent mehr als im Juli 2009.
364 Stellen konnten im Juni besetzt werden. Dies waren 7 mehr als im Vorjahresmonat, ein Plus von 2,0 Prozent.
Derzeit sind noch 997 Arbeitsstellen als unbesetzt gemeldet.
Kurzarbeit:
In den Oktober 2008 bis Juni 2010 gingen bei der Arbeitsagentur Limburg Kurzarbeitsanzeigen von 346 Betrieben für 4.816 Personen ein. Wie viele davon im Juni tatsächlich kurzgearbeitet haben, ist noch unbe-kannt. Im März 2010 waren es 100 Betriebe mit 735 Personen, die von konjunktureller Kurzarbeit betroffen waren.
Nach ersten Erkenntnissen liegen die Anzeigen für Kurzarbeit im Juli bezogen auf die Anzahl der Betriebe erneut auf niedrigem Niveau. Bis zum 27. Juli (also an den ersten 19 von insgesamt 22 Arbeitstagen) wurden in der Agentur Limburg 2 Anzeigen für Kurzarbeit mit 7 Personen erfasst. Für den gesamten Juli werden für die meisten Agenturen schätzungsweise bis zu 20 Prozent mehr Fälle erwartet als bis zur Zwischenauswertung, umgelegt auf diese Agentur also bis 3 Anzeigen mit bis zu 10 Personen; eventuell werden die Statistikzahlen aber auch darüber liegen. Damit dürfte die Zahl der seit Oktober 2008 eingegangenen Anzeigen auf Kurzarbeit auf insgesamt 348 bis 349 mit 4.823 bis 4.826 Personen angestiegen sein.
Die Statistikzahlen zu den Anzeigen im Juni werden am 5. Juli im Internet auf der Statistikseite der BA (http://statistik.arbeitsagentur.de) veröffentlicht. Dann wird man sehen, ob zum Ende des Monats noch Anzeigen bei der Arbeitsagentur eingetroffen sind. Wie hoch die Inanspruchnahme der Kurzarbeit tatsächlich ist, zeigt sich bei der Auswertung der Meldung für das zweite Quartal.
Ausbildungsmarkt: Von Oktober 2009 bis Juli 2010 meldeten sich 1.708 Ausbildungssuchende. Dies waren 2 oder 0,1 Prozent mehr als in der vergleichbaren Vorjahresperiode. 453 dieser Jugendlichen sind derzeit noch unversorgt (Vorjahreswert: 364).
Von den im gleichen Zeitraum gemeldeten 872 Ausbildungsstellen stehen derzeit noch 160 zur Verfügung. Die Zahl der gemeldeten Stellen lag somit 2,7 Prozent höher als vor Jahresfrist (849 Stellen). Ende Juli 2009 waren noch 148 Ausbildungsstellen frei.
Auf einen Ausbildungssuchenden kommen derzeit statistisch gesehen 0,51 gemeldete Ausbildungsstellen. Im Vorjahr waren es 0,50 Stellen.
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