Expertentipps | 03.05.2010
Bionorcia am Forschungsstandort Österreich: Prof. Michael A. Popp, CEO und Vorstandsvorsitzender der Bionorica SE, erläutert die Vorteile und Chancen am Standort in Tirol.
Deutschlands Marktführer für apothekenpflichtige pflanzliche Arzneimittel Bionorica SE setzt auf den Standort Österreich. Rund vier Millionen Euro steckt das Familienunternehmen jährlich in seinen F&E-Betrieb in Innsbruck. In den nächsten zwei Jahren kommen noch insgesamt 750.000 Euro dazu. Mit dem K1-Kompetenzzentrum ONCOTYROL forscht Bionorica research nach neuen pflanzlichen Substanzen, die der Entstehung von Prostatakrebs vorbeugen können.
Warum hat sich Bionorica mit seiner F&E-Arbeit in Tirol niedergelassen?
Popp: Das ist historisch gewachsen. Ich habe am Innsbrucker Institut für Analytische Chemie und Radiochemie promoviert, mich habilitiert und hier sogar eine eigene Forschungsgruppe im Bereich der Phytoanalytik etabliert. Ich kenne daher die Tiroler Wissenschaftslandschaft sehr gut. Bionorica kooperiert auch schon seit Jahrzehnten erfolgreich mit der Botanik, Pharmakognosie und Pharmakologie in Innsbruck. Es war eine logische Konsequenz, hier eine Tochterfirma zu etablieren.
Was macht den Standort so attraktiv für Bionorica?
Popp: Österreich besitzt als eines von ganz wenigen Ländern mehrere Lehrstühle für Pharmakognosie. Andere Länder – inklusive Deutschland – haben diesen Bereich in Biotechnologie-Institute umgewandelt, die keine klassische Pflanzenkunde, sondern nur mehr Lehre und Forschung auf molekularbiologischer Ebene betreiben. Die österreichische Expertise in Pharmakognosie ist daher einzigartig und ein idealer Nährboden für unser Unternehmen. Umgekehrt beflügeln wir mit unserem Know-How den Aufbau eines Kompetenznetzwerkes im Bereich Phytoengineering. Eine absolute Win-Win-Situation also. Außerdem hat Innsbruck in diesem Feld exzellent ausgebildete Akademiker und Fachkräfte, von denen wir direkt für unseren Mitarbeiterpool profitieren.
Gibt es weitere Vorteile?
Popp: Natürlich schätzen wir auch die „Schmankerl“ des Forschungsstandorts. Österreich hat eine hervorragende Forschungsförderung und beste steuerliche Rahmenbedingungen für F&E-starke Unternehmen. Lauter Gründe, warum wir in Innsbruck im Jahr 2002 auch eine weitere Biotech-Firma mitbegründet haben: Biocrates Life Sciences gehört heute zu den führenden Unternehmen bei der Erforschung und Entwicklung von Biomarkern im Bereich der Metabolomik.