Fulda | 19.08.2010
Rhöner
Apfelinitiative kämpft um Erhalt von Streuobstwiesen / knapp 3.000 Produzenten
in Hessen, Bayern und Thüringen / Gesamtanbaufläche beträgt rund 250.000 Hektar
Und damit keine Apfelart mehr verloren geht, die
Sortenanzahl vielleicht sogar noch wächst, setzt die Rhöner Apfelinitiative
e.V. als größte bio-zertifizierte Streuobstinitiative Deutschlands bereits seit
ihren Anfängen in 1995 alle Hebel in Bewegung, um sich im Bereich Regionalentwicklung
zu engagieren und die Verbraucher zu motivieren, noch mehr regional verwurzelten
Apfelsaft zu konsumieren. „Erklärtes Ziel der Vereinsmitglieder ist es, die
Apfelbauern und Landwirte mittels lohnender Ankaufspreise dazu anzuregen, sich
um ihre wertvollen alten Baumbestände zu kümmern und, falls möglich, neue
Apfelbäume zu pflanzen“, bringt es Vorstandsvorsitzender Jürgen Hermann Krenzer
aus Ehrenberg-Seiferts auf den Punkt. Als Betreiber des dortigen
Rhönschaf-Hotels "Krone" sowie der Rhöner Schau-Kelterei mit
angeschlossener Apfel-Sherry-Manufaktur weiß Krenzer, der selber Apfelbäume
bewirtschaftet, um die Probleme im Apfelhandel. „Die Gastronomen brauchen tolle
Produkte zu günstigen Preisen.
Auch die Keltereien müssen auf den Kostenfaktor achten. Und wer eigene Äpfel anbaut, der möchte nicht nur den bestmöglichen Preis erzielen, sondern ebenso eine Abnahmestelle in nächster Nähe haben. Diese unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bekommen, macht das Spannungsfeld unserer täglichen Arbeit mit der Ware Apfel aus.“
In sehr guten Erntejahren speisen knapp 3000 Produzenten aus
Hessen, Bayern und Thüringen ihre Streuobstwiesenäpfel in das System der Rhöner
Apfelinitiative ein. Die Beteiligung reicht von Zulieferern mit nur einem
Obstgehölz im Garten bis hin zu jenen mit über hundert Bäumen. Die
Gesamtanbaufläche beträgt dabei rund 250000 Hektar und ist somit größer als das
zum Biosphärenreservat gehörende Areal.
„In vielen Regionen Deutschlands werden
von den Abnehmern lediglich zwischen drei und acht Euro pro Doppelzentner Äpfel
gezahlt“, so der Vorsitzende. „Doch damit lässt es sich nicht wirtschaftlich
arbeiten. Auf dieser Grundlage fehlt den Bauern der Anreiz, ihren Baumbestand
zu pflegen und fortzuführen. Deshalb zahlt die Apfelinitiative den Bauern 14,50
Euro für jeden Doppelzentner. Damit möchten wir unter anderem die Pflanzung von
weiteren tausend Bäumen pro Jahr anregen, um so irgendwann wieder auf die
Baumstückzahl zu kommen, die es früher in der Rhön gab. Denn in den 1970er und
80er Jahren gingen auch der Rhön durch eine entsprechende Empfehlung der
Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft viele Bäume verloren, weil die Beseitigung
von Apfelgehölzen honoriert wurde, um die Sortenvielzahl zu begrenzen.
Das heißt, wir haben heute einerseits veraltete Bestände oder aber sehr junge Bäume, die den benötigten Ertrag noch nicht erbringen.“
Insgesamt vier Keltereien haben sich dem Verein bislang angeschlossen: Neben Jürgen H. Krenzers Schau-Kelterei auch die Kelterei Elm in Flieden, die Kuppenrhöner Kelterei „Ausbacher Roter“ in Hohenroda-Ausbach sowie die Kelterei Wolfgang Söder aus dem bayerischen Sandberg. Hinzu kommen inzwischen zahlreiche Endverbraucher, Gastronomiebetriebe und Naturschützer, die dem Unternehmen und seinen Projekten wohl gesonnen sind. Aber im Dienste einer ganzen Region dürften es durchaus noch mehr sein. Von den Mitgliedsunternehmen werden ständig neue innovative Apfelgetränke wie etwa das Apfelbier, der Apfel-Sherry, sortenreine Apfelweine und naturtrübe Biosäfte entwickelt, um die Begeisterung der Konsumenten für die heimische Frucht zu wecken und damit auch langfristig allen mitwirkenden Apfelbauern einen fairen Lohn für ihre Mühen zahlen zu können. Für die Zukunft der Rhöner Streuobstwiesenäpfel hat Vereins-Chef Krenzer vor allem zwei Herzenswünsche: „Dass die Apfelfans verstärkt auf Getränke mit regionalem Ursprung achten und dass bald alle Rhöner Keltereien an einem Strang ziehen, wenn es um die wichtige Frage der Produktauswahl geht.“
Foto: Auch der Apfel-Sherry von Jürgen Hermann Krenzer zählt zu
den beliebten Getränke-Innovationen der Rhöner Apfelinitiative. Foto:
Feige.
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