Gießen

2000 Beschäftigte folgten in Mittelhessen Aufruf von Verdi zum Warnstreik

Gießen | 21.03.2012

Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft fordert 6,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro, und die Übernahme der Azubis in ei
Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft fordert 6,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro, und die Übernahme der Azubis in ei

Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft fordert 6,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro, und die Übernahme der Azubis in ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis

Eine ungewöhnliche Ruhe herrschte gestern in Gießen beim Busverkehr - auch am Berliner Platz, ansonsten ein Knotenpunkt des öffentlichen Personennahverkehrs. Stattdessen trafen sich im Zentrum der Universitätsstadt zwei Demonstrationszüge: Trillerpfeifen und Pauken, Fahnen und Transparente beherrschten das Bild. Weit mehr als 2000 Beschäftigte des öffentlichen Diensts folgten in Mittelhessen dem Aufruf von Verdi zum Warnstreik. 6,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro, und die Übernahme der Azubis in ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis fordert die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft.

 

„Es muss Schluss sein mit einer obszönen Lohnpolitik in vielen Bereichen. Und Schluss damit, dass immer mehr Beschäftigte, besonders in den unteren Entgeltgruppen, genötigt sind, einen Nebenjob anzunehmen oder gar auf ergänzende Sozialhilfe angewiesen sind,“ rief Verdisekretär Jürgen Lauer den Streikenden zu. Zwei Millionen Bedienstete in allen Bereichen des öffentlichen Dienstes seien zwei Millionen Gründe, in dieser Tarifrunde ein annehmbares Ergebnis zu erzielen.

 

„Die gewerkschaftlichen Forderungen sind angesichts der langjährigen Lohnzurückhaltung der Beschäftigten nötig und wirtschaftlich sinnvoll“, unterstrich der für den öffentlichen Dienst in Mittelhessen zuständige Gewerkschaftssekretär.

 

Verdi fühle sich von den öffentlichen Arbeitgebern herausgefordert, weil diese in der ersten Verhandlungsrunde überhaupt kein Angebot und in der zweiten Runde ein aus Gewerkschaftssicht „empörendes, unannehmbares und respektloses Angebot unterbreitet hätten, sagte Lauer.

 

„Empörendes Angebot“

 

Der eine Demonstrationszug hatte sich gegen 8.30 Uhr an der Gießener Vitos-Klinik in der Licher Straße in Bewegung gesetzt, ein zweiter startete bei den Stadtwerken. Etwa eine Stunde später trafen beide am Berliner Platz zusammen. Bedienstete kommunaler Verwaltungen aus den Kreisen Gießen, Lahn-Dill und Marburg, Mitarbeiter von Bauhöfen und Sparkassen, von Stadtwerken und Vitos-Kliniken, Bedienstete der Agenturen für Arbeit und von Kindertagesstätten forderten lautstark und unübersehbar ihren „gerechten Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung“.

 

Marcus Limprecht-Heuser, Krankenpfleger-Azubi, erklärte auf der Kundgebung eine höhere Ausbildungsvergütung und eine Übernahme nach der Lehre für für die zahlreichen Auszubildenden als unabdingbar. Der öffentliche Dienst leiste Basisarbeit für die Gesellschaft, auf der alles andere aufbaue. Nur ein motivierter Nachwuchs, der eine berufliche Perspektive für sich sehe, sichere die Zukunft der Gesellschaft.

 

Lissy Schuchmann ergriff namens der Sparkassenbediensteten das Mikrofon bei der Kundgebung am Berliner Platz und kündigte an, noch öfter und lautstärker auf die Straße zu gehen. „Wir versinken nicht in Demut, sondern fordern unser Recht ein.“

 

Thorsten Beliza, einer der warnstreikenden Busfahrer, lehnte es ab, sich von den Arbeitgebern „mit 20 Cent mehr abspeisen“ zu lassen. „Wer ordentlich befördert werden will, soll seine Fahrer auch ordentlich bezahlen.“

 

„Das Ende der Fahnenstange ist bei der langjährigen Lohnzurückhaltung erreicht“, betonte Markus Dietermann im Namen der kommunalen Bediensteten. Deshalb gelte die Devise: „Mindestens 200 Euro - nicht höchstens!“ Bund und Länder delegierten immer mehr Aufgaben an die Kommunen und erhöhten dadurch die Arbeitsbelastung der Bediensteten. Dies müsse endlich angemessen entlohnt werden.

 

Streiks statt Schlichtung

 

Vom Berliner Platz zog der Protestzug über den Anlagenring bis zu den Hessenhallen. Hier sprach abschließend Cornelia Kröll, stellvertretende Landesbezirksvorsitzende von Verdi Hessen, zu den Warnstreikern. Sollte mit den Arbeitgebern auch bei der dritten Verhandlungsrunde Ende März keine Einigung erzielt werden können, dann - so die von Verdi-Chef Bsirske ausgegebene Linie - komme es nicht zu einer Schlichtung, sondern umgehend zu Streiks, deren Umfang die Wirkungen der Warnstreiks bei Weitem überträfen.

 

 

 

Foto: Weit über 2000 Bedienstete des öffentlichen Diensts nahmen gestern in Gießen am Berliner Platz an der Kundgebung teil, zu der die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi anlässlich des Warnstreiks aufgerufen hatte. Mit Trillerpfeifen und Pauken, Transparenten und Fahnen verliehen die Streikenden ihrer Forderung nach 6,5 Prozent mehr Lohn öffentlich Nachdruck. Bild: Ewert

 

 

Weitere Nachrichten finden Sie auch unter: www.giessener-anzeiger.de

zurück drucken verlinken

Mehr zum Thema

Anzeige

Hidden Champions

Benjamin Schulz

Lernen Sie Persönlichkeiten aus Mittelhessen kennen!

Bildergalerien