Gießen | 08.03.2010
Geschäftsklima hat sich im IHK-Bezirk Gießen-Friedberg deutlich verbessert - Ergebnisse der Frühjahrsumfrage vorgestellt
"Die konjunkturelle Talsohle ist durchschritten, das konjunkturelle Klima hat sich verbessert", stellte der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Gießen-Friedberg, Dr. Wolfgang Maaß, am Dienstag in Gießen vor der Presse fest. Der Geschäftsklimaindex ist im IHK-Bezirk seit Herbst 2009 von gut 83 Punkten auf fast 92 Punkte gestiegen. Maaß: "Die Konjunkturprogramme von Bundes- und Landesregierung und die Abwrackprämie haben gegriffen." Noch bedrohen allerdings mehrere Risiken das zarte Pflänzchen des Konjunkturaufschwungs."Der relativ robuste Arbeitsmarkt trägt wesentlich zur Überwindung der tiefsten Rezession der Nachkriegszeit bei", betonte Maaß. Mit Hilfe des Instruments der Kurzarbeit hätten die Betriebe vor allem im besonders stark betroffenen Maschinenbau "ihre Stammbelegschaft gehalten, obwohl die Produktionskapazitäten oft nur zu 70 Prozent ausgelastet sind. Das ist ein historischer Tiefstand".
Rund 24 Prozent der im IHK-Bereich Ende 2009 und Anfang 2010 befragten 1200 Unternehmen schätzten ihre aktuelle Lage positiv ein und 48,5 Prozent als befriedigend. 15 Prozent erwarten zudem eine bessere wirtschaftliche Entwicklung als 2009. Von einer schlechteren konjunkturellen Entwicklung in 2010 gehen nur noch 27,6 Prozent der Betriebe aus (Frühjahr 2009: 58 Prozent).
Die Baubranche stuft das Geschäftsklima mit 122,5 Punkten (von 200 möglichen) dank der Konjunkturprogramme als besonders positiv ein. In diesen Geschäftsklimaindex fließen die gegenwärtige Lage und die Erwartungen an die Zukunft ein. Ab 100 Punkten überwiegen Zufriedenheit und eine positive Sicht der Konjunktur.
Mit einem "blauen Auge" ist laut Maaß auch der Einzelhandel dank des relativ guten Weihnachtsgeschäfts davongekommen, allerdings mit 68 Punkten (2009: 51 Zähler) auf einem niedrigen Niveau.
Eklatante Umsatzeinbußen musste hingegen das Gastgewerbe hinnehmen. Vor allem die Hoteliers litten darunter, dass Unternehmen viele Veranstaltungen stornierten und die Übernachtungszahlen ihrer Mitarbeiter stark zurückgingen. Hier sank der Geschäftsklimaindex gegenüber dem Vorjahr um fast 9 auf knapp 71 Punkte.
Medizintechnik glänztIn der Getränkeindustrie bereitet den Brauereien der anhaltende Rückgang des Bierkonsums Sorgen. Die Mineralbrunnen verzeichneten hingegen nur einen leichten Absatzrückgang. Insgesamt stieg hier der Klimaindex binnen eines Jahres von über sehr niedrigen 35 auf 47 Punkte.
"Die Medizintechnik schneidet mit 121 Punkten mit dem besten Klimawert aller größeren Branchen ab", berichtete der IHK-Präsident. Durch die wachsende Zahl älterer Menschen steigt der Bedarf an medizintechnischen Erzeugnissen. Beispielhaft sei die Entwicklung der Pharmabranche, deren Anteil an den deutschen Importen wächst. Der Geschäftsklimaindex legte gegenüber 2009 fast um 20 Punkte zu.
"Der Kreis Gießen hat mit knapp 98 Punkten die Spitzenposition des Klimaindexes zurück erkämpft", sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Leder, der die Landkreis-Ergebnisse vorstellte. Anfang 2009 kam die Gießener Region nur auf gut 70 Punkte und im Herbst auf rund 80 Zähler.
Der Wetteraukreis, der 2009 die Spitzenposition einnahm, liegt derzeit bei 92 Punkten und der Vogelsbergkreis bei knapp 79. Die Vogelsberger Wirtschaft verbuchte allerdings vor einem Jahr nur magere 53 Zähler. Leders Resümee: "Besonders augenfällig ist die Verbesserung des wirtschaftlichen Klimas im Landkreis Gießen. Im Vergleich zum Vorjahr wurde eine Steigerung um fast 30 Punkte ermittelt."
Industrie punktet überallSieht man vom Maschinenbau ab, zeigt die Industrie in allen drei Landkreisen mit einem Plus von 27 bis zu 36 Punkten (im Vogelsberg) beachtliche Steigerungsraten.
Als größte Risiken für den konjunkturellen Aufschwung nannten die befragten Betriebe an erster Stelle die fehlende Inlandsnachfrage, gefolgt von unberechenbaren Energie- und Rohstoffpreisen und höheren Arbeitskosten.
Die von der Bundesregierung beschlossene Senkung der Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen von 19 auf sieben Prozent hat übrigens auch noch einen unliebsamen Nebeneffekt.
Falls die Bruttopreise für Nächtigungen - wie zu erwarten ist - nicht gesenkt werden, steigen für die Unternehmen die Nettopreise. Darauf wies Hauptgeschäftsführer Matthias Leder hin. Denn nun können die Betriebe, für die die Mehrwehrtsteuer in der Buchhaltung ein "durchlaufender Posten" ist, vom gleichen Bruttopreis eben nur noch sieben statt 19 Prozent Umsatzsteuer abziehen.
Leder: "Der Wildwuchs bei den reduzierten Mehrwertsteuersätzen lässt jede Systematik vermissen. Das führt zu willkürlichen Preis- und Wettbewerbsverzerrungen."
Foto: IHK-Präsident Wolfgang Maaß (l.) und Hauptgeschäftsführer Matthias Leder stellten gestern die Ergebnisse der neuesten Konjunkturumfrage vor. Bild: eil
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