Das Dürerhaus Kühn feiert mit Kunden und Geschäftpartnern in und vor dem Geschäft seinen 85. Geburtstag
Das Dürerhaus Kühn feiert mit Kunden und Geschäftpartnern in und vor dem Geschäft seinen 85. Geburtstag
Konzert- und Theaterbesuche befriedigen nicht nur das Bedürfnis nach
Bildung und niveauvoller Unterhaltung, sondern tragen mitunter auch
Früchte wirtschaftlicher Art, wenn man denn die Zeichen der Zeit erkennt
und nutzt. Peter Kühn, im Juni 2004 verstorbener langjähriger Chef des
Dürerhauses Kühn am Kreuzplatz 6, war genau dies gelungen.
Vor allem Freund der Alten Oper in Frankfurt als Spielstätte für
Konzerte aller Art, informierte Kühn anhand dort mitgenommener
Programmhefte auch seine Kunden im Dürerhaus über das Angebot der Alten
Oper. Bis ihn Interessenten wissen ließen, dass die Informationen „schön
und gut“ seien, aber ohne die Möglichkeit, Karten für die Konzerte auch
erwerben zu können, eigentlich nur die Hälfte wert seien. Das war für
Peter Kühn Ende der 1980er Jahre das Signal, fortan auch Eintrittskarten
für die Alte Oper Frankfurt sowie für regionale Veranstaltungen in und
um Gießen anzubieten.
Das stellte sich schnell als wichtiges zweites Standbein des Dürerhauses
Kühn heraus, das heute einmalig in seiner Art in Gießen und Umgebung
ist und von Kühn und seinem Partner Horst Wißner so ausgebaut wurde,
dass am Kreuzplatz heute Theater- und Konzertkarten für Veranstaltungen
weltweit erworben werden können. Für Theater, Opern-, Konzert- und
Veranstaltungshäuser in Deutschland - von der Rittalarena in Wetzlar
über das Volkstheater Frankfurt, die Komische Oper Berlin, die
Bayerische Staatsoper in München und die Bregenzer Festspiele bis zu
Schmidts Tivoli in Hamburg. Darüber hinaus gibt es Karten für nationale
und internationale Sportveranstaltungen.
Am Montag, 2. August, feiert das Dürerhaus Kühn mit Kunden und
Geschäftpartnern in und vor dem Geschäft seinen 85. Geburtstag. Am
Montag deshalb, weil der 1. August auf einen Sonntag fällt. Der 1.
August 1925 war ein Samstag. An diesem Tag eröffnete Auguste Kühn im
Elternhaus in der Marktstraße ihre „Werkstube Gustel Kühn“. Im ersten
Stock stellten die Eltern ein Zimmer als Verkaufsraum zur Verfügung und
erlaubten ihr, in einem der Schaufenster der elterlichen Metzgerei im
Erdgeschoss ihre kunsthandwerklichen Gegenstände zu präsentieren. Ein
Jahr später kam Schwester Emmy Kühn als Geschäftspartnerin hinzu.
1928 zogen die beiden Damen in die Rittergasse in einen kleinen Laden
um. Die Kühn-Schwestern waren unermüdlich, fuhren zu Messen nach Leipzig
und versuchten stets, den Kunden Geschmackvolles und Neues zu bieten.
Auch zu Käthe Kruse unterhielten sie Geschäftsbeziehungen und die
weltberühmte Puppenmutter besuchte die Kühns in Gießen.
Das ständig wachsende Angebot erforderte bald den Umzug in neue
Geschäftsräume dorthin, wo noch heute das Dürerhaus angesiedelt ist.
Apropos Dürerhaus. Ab 1935 nannte sich Gustels Werkstube „Dürerhaus
Kühn“. In einer Art lockerem genossenschaftlichem Verbund schlossen sich
deutschlandweit zahlreiche „Dürerhäuser“ zusammen, um günstig einkaufen
zu können. Diese „Dürerhaus-Genossenschaft“ gab es nach dem Krieg nicht
mehr. Dennoch ist der Name Dürerhaus Kühn bis heute in und um Gießen
ein Begriff. Am 6. Dezember 1944 fiel das Dürerhaus Kühn wie große Teile Gießens den
Bombenangriffen zum Opfer. Dennoch machten Gustel und Emmy Kühn gleich
nach Kriegsende in provisorischen Unterkünften auf dem Seltersweg
weiter. 1950 eröffnete dann das Dürerhaus Kühn am Kreuzplatz/Ecke
Rittergasse an altem Standort in neuem Haus wieder. 1964 trat Peter
Kühn, der Neffe von Auguste und Emmy Kühn, ins Geschäft ein und übernahm
es 1973 in eigener Veantwortung, aber unter engagierter Mitarbeit der
Damen, die 1983 (Gustl) und 1987 (Emmy) verstarben. 1984 kam Horst
Wißner hinzu, der das Dürerhaus Kühn seit dem Tod von Peter Kühn nun im
siebten Jahr alleinverantwortlich führt. Seine fachkundigen
Mitarbeiterinnen sind Ingrid Haus und Gebriele Giezek. An der
Geschäftsphilosophie hat sich seit der Gründung nichts Wesentliches
verändert, so Wißner. Wie schon bei Gustl und Emmy Kühn vor mehr als
acht Jahrzehnten erhält der Kunde im Dürerhaus auch heute ausgewähltes,
hochwertiges Kunsthandwerk aus vielen Regionen und Souvenirs speziell
aus Gießen. Zudem gibt es Kinderbücher und originelle Kleidung für
Vorschulkinder. Und den Kartenverkauf für kulturelle, sportliche und
andere Veranstaltungen.
Foto : Stets für die Kunden des Dürerhauses Kühn da: Horst Wißner. Bild: eil
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