Institution weit über Gießen hinaus

Institution weit über Gießen hinaus

Gießen | 30.07.2010

Das Dürerhaus Kühn feiert mit Kunden und Geschäftpartnern in und vor dem Geschäft seinen 85. Geburtstag Das Dürerhaus Kühn feiert mit Kunden und Geschäftpartnern in und vor dem Geschäft seinen 85. Geburtstag

Das Dürerhaus Kühn feiert mit Kunden und Geschäftpartnern in und vor dem Geschäft seinen 85. Geburtstag

Konzert- und Theaterbesuche befriedigen nicht nur das Bedürfnis nach Bildung und niveauvoller Unterhaltung, sondern tragen mitunter auch Früchte wirtschaftlicher Art, wenn man denn die Zeichen der Zeit erkennt und nutzt. Peter Kühn, im Juni 2004 verstorbener langjähriger Chef des Dürerhauses Kühn am Kreuzplatz 6, war genau dies gelungen.
Vor allem Freund der Alten Oper in Frankfurt als Spielstätte für Konzerte aller Art, informierte Kühn anhand dort mitgenommener Programmhefte auch seine Kunden im Dürerhaus über das Angebot der Alten Oper. Bis ihn Interessenten wissen ließen, dass die Informationen „schön und gut“ seien, aber ohne die Möglichkeit, Karten für die Konzerte auch erwerben zu können, eigentlich nur die Hälfte wert seien. Das war für Peter Kühn Ende der 1980er Jahre das Signal, fortan auch Eintrittskarten für die Alte Oper Frankfurt sowie für regionale Veranstaltungen in und um Gießen anzubieten.
Das stellte sich schnell als wichtiges zweites Standbein des Dürerhauses Kühn heraus, das heute einmalig in seiner Art in Gießen und Umgebung ist und von Kühn und seinem Partner Horst Wißner so ausgebaut wurde, dass am Kreuzplatz heute Theater- und Konzertkarten für Veranstaltungen weltweit erworben werden können. Für Theater, Opern-, Konzert- und Veranstaltungshäuser in Deutschland - von der Rittalarena in Wetzlar über das Volkstheater Frankfurt, die Komische Oper Berlin, die Bayerische Staatsoper in München und die Bregenzer Festspiele bis zu Schmidts Tivoli in Hamburg. Darüber hinaus gibt es Karten für nationale und internationale Sportveranstaltungen.
Am Montag, 2. August, feiert das Dürerhaus Kühn mit Kunden und Geschäftpartnern in und vor dem Geschäft seinen 85. Geburtstag. Am Montag deshalb, weil der 1. August auf einen Sonntag fällt. Der 1. August 1925 war ein Samstag. An diesem Tag eröffnete Auguste Kühn im Elternhaus in der Marktstraße ihre „Werkstube Gustel Kühn“. Im ersten Stock stellten die Eltern ein Zimmer als Verkaufsraum zur Verfügung und erlaubten ihr, in einem der Schaufenster der elterlichen Metzgerei im Erdgeschoss ihre kunsthandwerklichen Gegenstände zu präsentieren. Ein Jahr später kam Schwester Emmy Kühn als Geschäftspartnerin hinzu.
1928 zogen die beiden Damen in die Rittergasse in einen kleinen Laden um. Die Kühn-Schwestern waren unermüdlich, fuhren zu Messen nach Leipzig und versuchten stets, den Kunden Geschmackvolles und Neues zu bieten. Auch zu Käthe Kruse unterhielten sie Geschäftsbeziehungen und die weltberühmte Puppenmutter besuchte die Kühns in Gießen.
Das ständig wachsende Angebot erforderte bald den Umzug in neue Geschäftsräume dorthin, wo noch heute das Dürerhaus angesiedelt ist. Apropos Dürerhaus. Ab 1935 nannte sich Gustels Werkstube „Dürerhaus Kühn“. In einer Art lockerem genossenschaftlichem Verbund schlossen sich deutschlandweit zahlreiche „Dürerhäuser“ zusammen, um günstig einkaufen zu können. Diese „Dürerhaus-Genossenschaft“ gab es nach dem Krieg nicht mehr. Dennoch ist der Name Dürerhaus Kühn bis heute in und um Gießen ein Begriff.  Am 6. Dezember 1944 fiel das Dürerhaus Kühn wie große Teile Gießens den Bombenangriffen zum Opfer. Dennoch machten Gustel und Emmy Kühn gleich nach Kriegsende in provisorischen Unterkünften auf dem Seltersweg weiter. 1950 eröffnete dann das Dürerhaus Kühn am Kreuzplatz/Ecke Rittergasse an altem Standort in neuem Haus wieder. 1964 trat Peter Kühn, der Neffe von Auguste und Emmy Kühn, ins Geschäft ein und übernahm es 1973 in eigener Veantwortung, aber unter engagierter Mitarbeit der Damen, die 1983 (Gustl) und 1987 (Emmy) verstarben. 1984 kam Horst Wißner hinzu, der das Dürerhaus Kühn seit dem Tod von Peter Kühn nun im siebten Jahr alleinverantwortlich führt. Seine fachkundigen Mitarbeiterinnen sind Ingrid Haus und Gebriele Giezek. An der Geschäftsphilosophie hat sich seit der Gründung nichts Wesentliches verändert, so Wißner. Wie schon bei Gustl und Emmy Kühn vor mehr als acht Jahrzehnten erhält der Kunde im Dürerhaus auch heute ausgewähltes, hochwertiges Kunsthandwerk aus vielen Regionen und Souvenirs speziell aus Gießen. Zudem gibt es Kinderbücher und originelle Kleidung für Vorschulkinder. Und den Kartenverkauf für kulturelle, sportliche und andere Veranstaltungen.



Foto : Stets für die Kunden des Dürerhauses Kühn da: Horst Wißner. Bild: eil


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