Gießen | 14.02.2012

Arbeitnehmervertretung informierte gestern den Gewerkschaftsbund im Leihgesterner Weg über die Perspektiven des Poppe-Standortes
Arbeitnehmervertretung informierte gestern den Gewerkschaftsbund im Leihgesterner Weg über die Perspektiven des Poppe-Standortes Gießen
Der Betriebsrat von Poppe + Co (Gießen) und der DGB-Bezirksverband Mittelhessen lehnen den Ausbau eines ehemaligen Brauereikellers auf dem Poppe-Gelände im Leihgesterner Weg als „begehbares Denkmal“ ab. „Wenn das Firmenareal nach der Verlagerung des Betriebs in den Ohlebergsweg von Poppe nicht vollständig vermarktet werden kann, rechnet sich dort der Neubau eines Gebäudes für die insgesamt 80 Mitarbeiter von Verwaltung und Forschung und Entwicklung nicht“. Das befürchten Poppe-Betriebsratsvorsitzender Frank Müller und DGB-Kreisvorstandsvorsitzender Robert Wycislo.
Die Arbeitnehmervertretung informierte gestern den Gewerkschaftsbund im Leihgesterner Weg über die Perspektiven des Poppe-Standortes Gießen.
„Wenn die Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Gießen weggeht, bleibt nur noch die Fertigung in Gießen“, erklärte Müller. Damit verliere dieser mittelhessische Standort für das Unternehmen an Bedeutung. Und dann drohe die Gefahr, dass die Verwaltung und schließlich auch die Produktion folgten, sagte DGB-Organisationssekretär Matthias Körner.
Poppe will ohnehin schon die Fertigung von Spezialschläuchen für die Autoindustrie von Gießen wegverlagern. Der renommierte Kautschuk- und Kunststoffverarbeiter und Zulieferer der Kfz-Industrie produziert dann am Ohlebergsweg noch technisch anspruchsvolle Profile, zum Beispiel zum Einsatz bei Wasserkühlern und Toren.
Eine Bürgerinitiative fordert, dass einer von drei ehemaligen Brauerei-Kellern auf dem Poppe-Betriebsgelände am Leihgesterner Weg zu einer begehbaren Gedenkstätte ausgebaut wird. Diese soll an die Opfer der alliierten Bombenangriffe vom 6. Dezember 1944 auf Gießen erinnern. Die Keller dienten den Gießenern im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker. Einer von ihnen erhielt bei dem Bombardement einen Volltreffer, dem rund 100 Schutzsuchende zum Opfer fielen.
„Betriebsrat und DGB respektieren das Anliegen der Bürgerinitiative, der Opfer zu gedenken“, betonte Robert Wycislo. Beide Gremien sprachen sich jedoch gestern für eine Gedenktafel und gegen eine begehbare Erschließung eines Kellers aus. Denn das damals von Bomben getroffene Kellergewölbe existiere heute nicht mehr.
„Eine Gedenkstätte, die nicht am authentischen Ort entsteht, sondern nur so aussieht, stellt nur eine Art Museum dar, das letztlich niemandem gerecht wird“, merkte DGB-Sekretär Körner an. Gießen sei im Krieg flächendeckend zerstört worden. Wer jede betroffene Fläche von Zukunftsplanungen ausnehmen wolle, mache jede sinnvolle Stadtentwicklung unmöglich.
Betriebsrat und DGB-Kreisvorstandsvorsitzender Wycislo waren sich einig, dass es von großer Bedeutung sei, in Gießen genügend industrielle Arbeitsplätze zu erhalten. „Die Wachstumspfade im Einzelhandel und in Forschung und Lehre sind für die Stadt sicher wichtig. Ohne Beschäftigung in der produzierenden Wirtschaft droht aber auf Dauer eine gefährliche Monostruktur“.
Die aktuelle Planung sieht für das Poppe-Gelände an der Ecke von Aulweg und Leihgesterner Weg eine dreistöckige Wohnbebauung und Nahversorgungseinzelhandel vor. „Das ist eine gute und richtige Mischung, der einem Standort zwischen City und Stadtrand sehr gerecht wird. Eine Stadt braucht verdichtete Räume und kann nicht nur aus Einfamilienhausidyllen bestehen“, sagte Robert Wycislo abschließend. An dem Treffen nahm neben weiteren Poppe-Betriebsratsmitgliedern auch Hans Ulm (Labor) teil.
Foto: DGB und Poppe-Betriebsrat erörterten gestern die Planung zur Verwertung des Firmengrundstücks im Leihgesterner Weg. Poppe zieht demnächst in den Gießener Ohlebergsweg um. Bild: privat
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