
Rach bietet keinen Streichelzoo, aber der Besuch war nachhaltig.“
„Rach bietet keinen Streichelzoo, aber der
Besuch war nachhaltig.“
An die ersten Wochen nach der Renovierung à la Rach erinnert sich das
Gastronomenpaar Beate und Karsten Wetzlar mit Grauen: Gäste standen
noch vor der Bestellung von ihren Tischen auf, um das Restaurant
protestierend zu verlassen. Das sei nicht mehr ihr Altes Brauhaus,
kritisierten sie. Die Gastwirte kostete es viel Kraft, um bei ihrem
neuen Konzept zu bleiben. Heute sind sie froh über die Veränderungen:
Ihr Umsatz ist um ein Drittel gestiegen.
Neue, vor allem jüngere Gäste kommen in das Brauhaus am Fuß der
Marburger Oberstadt. Wer am Wochenende einen Platz finden will, sollte
reservieren: „Jetzt ist es wieder wirtschaftlich“, sagt Karsten Wetzlar.
Als sich das Paar vor einem Jahr bei der Sendung des
TV-Restauranttesters Christian Rach bewarb, stand das knapp 400 Jahre
alte Brauhaus trotz seiner hervorragenden Lage kurz vor dem Ruin. Durch
den Umbau von Marburgs neuer Mitte hatten sie viele Kunden von außerhalb
verloren, die bis dahin in der Nähe hatten parken können. „Wir haben
uns nicht schnell genug weiterentwickelt“, räumt Wetzlar ein.
„Kein Streichelzoo“
Rach kam im Oktober vergangenen Jahres und räumte gründlich auf:
Zunächst einmal mit den bunten Zierkürbissen, den Strohblümchen und dem
Nippes, der das Restaurant eigentlich schmücken sollten. „Viel zu
überladene Dekoration“, befand der Experte. Die Wände wurden frisch
gestrichen, die Polster und Tischplatten erneuert und die gelben, längst
nicht mehr zeitgemäßen Fenstergläser gegen ungefärbtes Glas
ausgetauscht. Seitdem präsentiert sich das schmucke Fachwerkhaus mit
lichten Räumen.
Das Essen fand Sternekoch Rach ganz ordentlich, wenngleich er die
schlecht gebackenen Pommes monierte. Der Speisekarte bescheinigte er ein
liebloses Allerlei: 45 verschiedene Gerichte sollten für jeden Gast
etwas bieten. Rach riet zur Spezialisierung. Zu einem Brauhaus gehöre
bodenständige deutsche Küche. Die aber sollte noch frischer zubereitet
werden als bislang.
Die Wetzlars konzentrieren sich heute auf zehn Gerichte, die spätestens
alle vier Wochen wechseln. Vorgefertigt sind nur noch die Pommes.
Spezialität des Hauses ist das Kalbsrahmragout mit Pilzen, Gemüse und
Butterspätzle aus eigener Produktion. Ein weiterer Renner ist die
Kalbsleber mit Bauernzwiebeln, Äpfeln und Stampfkartoffeln.
Hausgemachtes Brot und Schmalz gibt es für Null Euro.
Von zu viel Schnitzel und großen Salaten riet der Experte aus
wirtschaftlichen Gründen ab: Sie binden zuviel Arbeitskraft. Selbst
einen Tafelspitz könne er mit weniger Aufwand zubereiten, sagt Wetzlar
heute. Auch die Arbeitsteilung zwischen Beate und Karsten Wetzlar -
beide Köche - ist nun klarer. Karsten Wetzlar leitet die Küche, seine
Frau den Service. Ihr Fazit: „Rach bietet keinen Streichelzoo, aber der
Besuch war nachhaltig.“
Foto: Mit neuem Konzept zum Erfolg: Das Gastronomenpaar Beate und Karsten
Wetzlar hat das Alten Brauhaus in Marburg umgestaltet.Bild : Coordes
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