Sternekoch Christian Rach gestaltet Altes Brauhaus in Marburg um

Sternekoch Christian Rach gestaltet Altes Brauhaus in Marburg um

Gießen | 29.07.2010

Rach bietet keinen Streichelzoo, aber der Besuch war nachhaltig.“
Rach bietet keinen Streichelzoo, aber der Besuch war nachhaltig.“

„Rach bietet keinen Streichelzoo, aber der Besuch war nachhaltig.“

An die ersten Wochen nach der Renovierung à la Rach erinnert sich das Gastronomenpaar Beate und Karsten Wetzlar mit Grauen: Gäste standen noch vor der Bestellung von ihren Tischen auf, um das Restaurant protestierend zu verlassen. Das sei nicht mehr ihr Altes Brauhaus, kritisierten sie. Die Gastwirte kostete es viel Kraft, um bei ihrem neuen Konzept zu bleiben. Heute sind sie froh über die Veränderungen: Ihr Umsatz ist um ein Drittel gestiegen.

Neue, vor allem jüngere Gäste kommen in das Brauhaus am Fuß der Marburger Oberstadt. Wer am Wochenende einen Platz finden will, sollte reservieren: „Jetzt ist es wieder wirtschaftlich“, sagt Karsten Wetzlar. Als sich das Paar vor einem Jahr bei der Sendung des TV-Restauranttesters Christian Rach bewarb, stand das knapp 400 Jahre alte Brauhaus trotz seiner hervorragenden Lage kurz vor dem Ruin. Durch den Umbau von Marburgs neuer Mitte hatten sie viele Kunden von außerhalb verloren, die bis dahin in der Nähe hatten parken können. „Wir haben uns nicht schnell genug weiterentwickelt“, räumt Wetzlar ein.

„Kein Streichelzoo“
Rach kam im Oktober vergangenen Jahres und räumte gründlich auf: Zunächst einmal mit den bunten Zierkürbissen, den Strohblümchen und dem Nippes, der das Restaurant eigentlich schmücken sollten. „Viel zu überladene Dekoration“, befand der Experte. Die Wände wurden frisch gestrichen, die Polster und Tischplatten erneuert und die gelben, längst nicht mehr zeitgemäßen Fenstergläser gegen ungefärbtes Glas ausgetauscht. Seitdem präsentiert sich das schmucke Fachwerkhaus mit lichten Räumen.

Das Essen fand Sternekoch Rach ganz ordentlich, wenngleich er die schlecht gebackenen Pommes monierte. Der Speisekarte bescheinigte er ein liebloses Allerlei: 45 verschiedene Gerichte sollten für jeden Gast etwas bieten. Rach riet zur Spezialisierung. Zu einem Brauhaus gehöre bodenständige deutsche Küche. Die aber sollte noch frischer zubereitet werden als bislang.

Die Wetzlars konzentrieren sich heute auf zehn Gerichte, die spätestens alle vier Wochen wechseln. Vorgefertigt sind nur noch die Pommes. Spezialität des Hauses ist das Kalbsrahmragout mit Pilzen, Gemüse und Butterspätzle aus eigener Produktion. Ein weiterer Renner ist die Kalbsleber mit Bauernzwiebeln, Äpfeln und Stampfkartoffeln. Hausgemachtes Brot und Schmalz gibt es für Null Euro.

Von zu viel Schnitzel und großen Salaten riet der Experte aus wirtschaftlichen Gründen ab: Sie binden zuviel Arbeitskraft. Selbst einen Tafelspitz könne er mit weniger Aufwand zubereiten, sagt Wetzlar heute. Auch die Arbeitsteilung zwischen Beate und Karsten Wetzlar - beide Köche - ist nun klarer. Karsten Wetzlar leitet die Küche, seine Frau den Service. Ihr Fazit: „Rach bietet keinen Streichelzoo, aber der Besuch war nachhaltig.“



Foto: Mit neuem Konzept zum Erfolg: Das Gastronomenpaar Beate und Karsten Wetzlar hat das Alten Brauhaus in Marburg umgestaltet.Bild : Coordes





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