
Solardach
Der mittelhessische Hersteller von Solartechnik entdeckt „schlafenden Markt“ - Für Nachhaltigkeitspreis nominiert
Die in Cölbe ansässige Firma Wagner & Co Solartechnik peilt den
amerikanischen Markt an. Das Unternehmen hat in den USA unter dem Namen
„Wagner Solar Inc.“ eine neue Tochterfirma gegründet. Der
Deutsch-Amerikaner Jörg Gäbler soll von der Niederlassung in Cambridge
im Bundesstaat Massachusetts den Vertrieb ankurbeln. Gute Nachrichten
gibt es für die Firma aber auch auf dem heimischen Markt: Das
Unternehmen wurde als eine von drei Firmen in der Kategorie
„Nachhaltigste Marke“ für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert.
Die Firma schätzt Nordamerika als einen „schlafenden Markt“ ein, wie
Pressesprecherin Sandra Christiansen erläuterte. Momentan sei dort die
Nachfrage nach solarthermischen Anlagen noch sehr verhalten, die
Marktbedingungen seien jedoch ausgesprochen positiv. Sehr bewusst hat
das Unternehmen den Nordosten der USA für seine Niederlassung
ausgeguckt. Zu hohen Brennstoffkosten und einen großen Heizbedarf kommt
hinzu, dass dort ähnliche klimatische Bedingungen herrschen wie in
Europa.
„Deshalb können wir unsere Systeme dort sehr gut anbieten“, sagt Sandra
Christiansen. Dies sind nicht nur solarthermische Systeme, um warmes
Wasser zu bereiten und die Heizung zu unterstützen, sondern auch
Anlagen, um Solarstrom zu erzeugen. Noch etwas hat die Entscheidung der
Cölber Firma beeinflusst: die Handwerkerkultur in dieser Region.
„Diese Art von Technik muss man mit Know-How installieren“, so die
Pressesprecherin. Genau das sei dort gegeben, so dass die Firma damit
rechnet, mit ihren drei Mitarbeitern schnell ein Netz zertifizierter
Installateure aufbauen zu können.
Das Unternehmen, das 1979 von neun Marburger Studenten aus dem Umfeld
der Umwelt- und Anti-Atomkraft-Bewegung gegründet wurde, hat in den
vergangenen Jahren einen enormen Aufschwung erfahren. Die
Mitarbeiterzahl in Europa stieg innerhalb von drei Jahren um 50 Prozent
auf momentan 450. Zugleich erhöhte sich der Umsatz. Lag er im Jahr 2007
noch bei 120 Millionen Euro, weist die Bilanz für das vergangene Jahr
mehr als das Doppelte aus, nämlich 250 Millionen Euro.
Damit zählt sich die Firma, die in ihrer Fabrik in Kirchhain unter
Volllast bis zu 250 250 000 Sonnenkollektoren pro Jahr produzieren kann,
selbst zu den fünf größten deutschen Herstellern von Sonnenkollektoren.
„Flaggschiff“ im Angebot sind die Euro-Sonnenkollektoren, die es in
verschiedenen Varianten gibt. „ Das sind seit vielen Jahren die
leistungsstärksten Flachkollektoren in Europa“, unterstreicht Sandra
Christiansen. Hinzu kommen Großkollektoren für die schnelle Installation
owie unter dem Namen „Solar Roof“ Kollektoren für komplette Dächer,
einschließlich Dämmung.
Die Nominierung durch den Deutschen Nachhaltigkeitsrat für den
Nachhaltigkeitspreis, der am 26. November dieses Jahres in Düsseldorf
verliehen wird, sieht die Firma auch als Würdigung technischer
Pioniertaten. Dazu zählt für Wagner & Co etwa der Bau der ersten
Solarsiedlung in Deutschland 1995 und 1996 in Hamburg-Bramfeld. Dort
wurde eine Siedlung mit Solartechnik ausgestattet.
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