Sprung nach Amerika

Wagner Solar wagt Sprung nach Amerika

Gießen | 17.08.2010

Solardach
Solardach

Der mittelhessische Hersteller von Solartechnik entdeckt „schlafenden Markt“ - Für Nachhaltigkeitspreis nominiert

Die in Cölbe ansässige Firma Wagner & Co Solartechnik peilt den amerikanischen Markt an. Das Unternehmen hat in den USA unter dem Namen „Wagner Solar Inc.“ eine neue Tochterfirma gegründet. Der Deutsch-Amerikaner Jörg Gäbler soll von der Niederlassung in Cambridge im Bundesstaat Massachusetts den Vertrieb ankurbeln. Gute Nachrichten gibt es für die Firma aber auch auf dem heimischen Markt: Das Unternehmen wurde als eine von drei Firmen in der Kategorie „Nachhaltigste Marke“ für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert.

Die Firma schätzt Nordamerika als einen „schlafenden Markt“ ein, wie Pressesprecherin Sandra Christiansen erläuterte. Momentan sei dort die Nachfrage nach solarthermischen Anlagen noch sehr verhalten, die Marktbedingungen seien jedoch ausgesprochen positiv. Sehr bewusst hat das Unternehmen den Nordosten der USA für seine Niederlassung ausgeguckt. Zu hohen Brennstoffkosten und einen großen Heizbedarf kommt hinzu, dass dort ähnliche klimatische Bedingungen herrschen wie in Europa.

„Deshalb können wir unsere Systeme dort sehr gut anbieten“, sagt Sandra Christiansen. Dies sind nicht nur solarthermische Systeme, um warmes Wasser zu bereiten und die Heizung zu unterstützen, sondern auch Anlagen, um Solarstrom zu erzeugen. Noch etwas hat die Entscheidung der Cölber Firma beeinflusst: die Handwerkerkultur in dieser Region.

„Diese Art von Technik muss man mit Know-How installieren“, so die Pressesprecherin. Genau das sei dort gegeben, so dass die Firma damit rechnet, mit ihren drei Mitarbeitern schnell ein Netz zertifizierter Installateure aufbauen zu können.

Das Unternehmen, das 1979 von neun Marburger Studenten aus dem Umfeld der Umwelt- und Anti-Atomkraft-Bewegung gegründet wurde, hat in den vergangenen Jahren einen enormen Aufschwung erfahren. Die Mitarbeiterzahl in Europa stieg innerhalb von drei Jahren um 50 Prozent auf momentan 450. Zugleich erhöhte sich der Umsatz. Lag er im Jahr 2007 noch bei 120 Millionen Euro, weist die Bilanz für das vergangene Jahr mehr als das Doppelte aus, nämlich 250 Millionen Euro.

Damit zählt sich die Firma, die in ihrer Fabrik in Kirchhain unter Volllast bis zu 250 250 000 Sonnenkollektoren pro Jahr produzieren kann, selbst zu den fünf größten deutschen Herstellern von Sonnenkollektoren. „Flaggschiff“ im Angebot sind die Euro-Sonnenkollektoren, die es in verschiedenen Varianten gibt. „ Das sind seit vielen Jahren die leistungsstärksten Flachkollektoren in Europa“, unterstreicht Sandra Christiansen. Hinzu kommen Großkollektoren für die schnelle Installation owie unter dem Namen „Solar Roof“ Kollektoren für komplette Dächer, einschließlich Dämmung.

Die Nominierung durch den Deutschen Nachhaltigkeitsrat für den Nachhaltigkeitspreis, der am 26. November dieses Jahres in Düsseldorf verliehen wird, sieht die Firma auch als Würdigung technischer Pioniertaten. Dazu zählt für Wagner & Co etwa der Bau der ersten Solarsiedlung in Deutschland 1995 und 1996 in Hamburg-Bramfeld. Dort wurde eine Siedlung mit Solartechnik ausgestattet.


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