Gießen | 06.07.2012

119 Mitarbeiter arbeiten derzeit in der Zentrale und in zehn Geschäftsstellen
119 Mitarbeiter arbeiten derzeit in der Zentrale und in zehn Geschäftsstellen
Eine auf 380,5 Millionen Euro gestiegene Bilanzsumme, um 5,6 Millionen auf 314,5 Millionen gestiegene Einlagen sowie 32,1 Millionen Euro Eigenkapital (Quote 8,4 Prozent) sind die positiven Eckdaten einer zufriedenstellenden Entwicklung der Volksbank Heuchelheim im abgelaufenen Geschäftsjahr 2011. Aber nicht nur diese Zahlen wurden vor knapp 300 Vertretern in der „Turnhalle“ bilanziert: 119 Mitarbeiter arbeiten derzeit in der Zentrale und in zehn Geschäftsstellen - das dichteste Geschäftsstellennetz aller vergleichbaren Banken - zum Jahresende 2011 stieg die Zahl der Mitglieder um 40 auf 9714.
Vorstand Udo Wrackmeyer beleuchtete die aktuelle wirtschaftliche Lage und die von vielen Seiten ungünstig beeinflussten Rahmenbedingungen für regional tätige Kreditinstitute. Während die deutsche Volkswirtschaft - maßgeblich getragen durch privaten Konsum - noch der Wachstumstreiber in Europa war, haben sich die konjunkturellen Perspektiven inzwischen durch die europäische Staatsschuldenkrise und ihre globalen Auswirkungen deutlich eingetrübt. Bei aller Sorge um die Entwicklung in Griechenland, Spanien und Italien darf laut Wrackmeyer aber der kritische Blick auf die deutsche Haushaltspolitik nicht fehlen: „Bei über zwei Billionen Euro Schulden im Land ist es nicht nachvollziehbar, dass im Jahr höchster Steuereinnahmen kein ausgeglichener Staatshaushalt erwirtschaftet werden kann.“
Auch wenn die Volksbank Heuchelheim selbst nicht in Krisenländern investiert habe, bekomme sie die Auswirkungen der Krise doch deutlich zu spüren. Offensichtlich sei das kleinteilige Bankgeschäft in Deutschland der europäischen Bankenaufsicht wohl deshalb ein Dorn im Auge, da man seine stabilisierende Wirkung und besonderen Stellenwert für ein insgesamt funktionierendes Bankensystem nicht erkennt oder erkennen will.
Laut Wrackmeyer hat die Politik der EU und der Europäischen Zentralbank die Kraft des Marktes weitgehend gelähmt. „Mit der nahezu unbegrenzt in die Märkte gepumpten Liquidität wurde ein künstlich niedriges Zinsniveau erreicht, das weder für Investoren noch für Anleger tatsächlich vorteilhaft ist. Denn falsche Investitionsanreize bergen große Gefahren, Stichwort Immobilienblase.“ Es gelte, davor zu warnen, dass die über Jahrzehnte funktionierende Marktwirtschaft aus den Augen verloren wird. Vorstandskollege Rainer Schäfer-Pröser erläuterte die Zahlen der Volksbank Heuchelheim, deren Kundenvolumen ein gutes Jahr vor den für 2013 vorgesehenen Festivitäten zum 150-jährigen Bestehen der Bank auf 724 Millionen Euro angewachsen ist. Leicht zurückgegangen ist das Kreditvolumen.
Gründe sind außerplanmäßige Tilgungen und eine reduzierte Inanspruchnahme von Unternehmerkrediten aufgrund deren guter wirtschaftlicher Situation. Die Kreditneuzusagen von rund 50 Millionen Euro im letzten Jahr konnten diese Rückbildung nicht vollständig ausgleichen.
Das Jahresergebnis der Bank von gut einer Million Euro bezeichnete Schäfer-Prößer als erfreulich. Abzüglich der Zuweisungen an die gesetzliche wie an andere Rücklagen verbleibt ein Bilanzgewinn von 622 000 Euro, aus dem unter anderem die nach wie vor hohe Dividende von sieben Prozent für alle über 9700 Mitglieder und damit Eigner der Genossenschaftsbank gezahlt wird.
Aufsichtsratsvorsitzender Volker Kreiling (Heuchelheim) sowie die Aufsichtsratsmitglieder Edgar Brück (Hohenahr) und Walter Jany (Kinzenbach) standen turnusmäßig zur Wahl und wurden einstimmig bestätigt. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Albert Bender, der seit 25 Jahren im Aufsichtsgremium der Volksbank Heuchelheim mitarbeitet, nahm aus der Hand von Norbert Kempf, Abteilungsleiter beim Genossenschaftsverband, die silberne Ehrennadel des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes entgegen.
Im Anschluss an die offizielle Tagesordnung der Vertreterversammlung gewährte der ehemalige Nachrichtenredakteur und -moderator beim ZDF, der in Gießen geborene und aufgewachsene Journalist Claus Seibel, einen Blick hinter die Kulissen von „heute“ und Tagesschau. „Wie objektiv sind Fernsehnachrichten?“, lautete das Thema, das der mit 34 Dienstjahren beim ZDF nach wie vor dienstälteste deutsche Nachrichtenredakteur und -moderator ebenso kenntnis- wie anekdotenreich, informativ und humorvoll entfaltete.
„Sichten-Gewichten-Verdichten“ stehe über dem Alltag des Nachrichtenredakteurs. Seibel erklärte unter anderem das Funktionieren der Quoten-Ermittlung im Fernsehen. Dazu seien in ganz Deutschland genau 5640 Haushalte ausgewählt worden, die mit einem Zusatzgerät ausgestattet wurden, das vorschriftsmäßig zu bedienen sie sich während ihres Fernsehkonsums verpflichtet hätten. „So kommt die heute ach so allmächtige Quote zustande.“
Foto: Norbert Kempf (r.) vom Genossenschaftsverband ehrt Hans-Albert Bender, der seit 25 Jahren dem Aufsichtsrat der Voba Heuchelheim angehört, seit einigen Jahren als stellvertretender Vorsitzender im Beisein des Aufsichtsratsvorsitzenden Volker Kreiling (l.). Bild: Ewert
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