Lahn-Dill / Biedenkopf | 07.02.2012
* Zusammenarbeit mit der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung soll Engpässe in Branchen mit Fachkräftemangel beseitigen
* Agenturchefin macht sich für Ausbildung junger Menschen aus Krisenländern in Deutschland stark
Um dem Mangel an gut ausgebildeten Arbeitskräften entgegenzutreten, erweitert die Bundesagentur für Arbeit (BA) ihr Angebot für Arbeitgeber und unterstützt die Betriebe ab sofort bei der Rekrutierung ausländischer Fachkräfte. Darauf hat jetzt die Agentur für Arbeit in Wetzlar hingewiesen. Der Wetzlarer Arbeitgeberservice steht dafür in engem Kontakt mit der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der BA in Bonn. Die ZAV rekrutiert Ingenieure und technische Fachkräfte, Ärzte und Gesundheitspersonal sowie Mitarbeiter für die Landwirtschaft und das Hotel- und Gastronomie-Gewerbe.
Angelika Berbuir, Leiterin der Wetzlarer Arbeitsagentur, erwartet, dass sich durch das erweiterte Angebot vor allem lange Vakanzen in den Gesundheits- und Pflegeberufen, der Gastronomie und im Maschinen- und Fahrzeugbau verkürzen lassen. Allerdings müssten die Unternehmen damit rechnen, dass die Deutschkenntnisse der einreisenden Fachkräfte teilweise noch verbesserungswürdig seien. Das individuelle Sprachvermögen sowie die Gleichstellung der Berufsabschlüsse stellen sich nach Berbuirs Angaben im Einzelfall als durchaus überwindbare Hindernisse dar. Sie begrüße daher, dass die Anerkennungsverfahren für berufliche Abschlüsse ab 1. April bereits im Heimatland der Arbeitnehmer eingeleitet werden können. Dadurch ließen sich die bis dato langen Wartezeiten verkürzen und man vermeide ferner, dass die ausländischen Arbeitnehmer bis zur Anerkennung unterhalb ihrer eigentlichen Qualifikation eingesetzt würden.
Interessierte Arbeitgeber wenden sich direkt an den Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur (Tel. 01801 664466 / Festnetzpreis 3,9 ct/min; Mobilfunkpreise höchstens 42 ct/min). Sofern sich der Arbeitskräftebedarf nicht mit inländischen Bewerbern decken lasse, schalte der Arbeitsvermittler die ZAV ein, heißt es in der Mitteilung der Arbeitsagentur weiter.
Die Arbeitsmarktexpertin macht sich außerdem dafür stark, dass deutsche Unternehmen junge Menschen aus den europäischen Krisenländern ausbilden: "In einem vereinten Europa müssen alle Staaten gemeinsam dafür Sorge tragen, Jugendlichen berufliche Ausbildungschancen zu erschließen. Wir leben in einem gemeinsamen Wirtschaftsraum und können nicht verantworten, dass in manchen Regionen der Gemeinschaft Fachkräftemangel herrscht, während in anderen Mitgliedsstaaten fünfzig Prozent aller Jugendlichen arbeits- und damit perspektivlos bleiben." Man müsse allerdings zulassen, dass die dann in Deutschland ausgebildeten Fachkräfte nach ihrer Lehre andere Lebensentscheidungen treffen und zum Teil in ihre Heimat zurückkehren. Aber auch davon profitiere die heimische Wirtschaft, zumal viele mittelhessische Unternehmen inzwischen Niederlassungen und Kooperationen im europäischen Wirtschaftsraum gegründet hätten, so Berbuir abschließend.
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