Limburg - Weilburg | 07.05.2010

* 19jähriger aus Runkel findet trotz
Lernbeeinträchtigung Lehrstelle als Bäcker
*
Zahl der Realschulabgänger in Limburg-Weilburg nimmt in den nächsten beiden
Jahren um 15 Prozent ab
* Arbeitsagentur
finanziert 90 zusätzliche Ausbildungsplätze für benachteiligte Jugendliche
"Jan ist immer bei der Sache. Er nimmt seinen Beruf
sehr ernst", lobt Uta Martin Bäckerlehrling Jan Wissig. Die
Ausbildungskoordinatorin des Bildungswerks der hessischen Wirtschaft (BWHW) hat
großen Anteil daran, dass der lernbeeinträchtigte junge Mann aus Runkel eine
Lehrstelle in seinem Wunschberuf als Bäcker gefunden hat. Laut
Ausbildungsvertrag ist sie sogar Jans "Chefin". Praktisch ausgebildet wird er
allerdings in der Bäckerei von Michael Sabel in Niederhadamar. Beim BWHW erhält
der 19jährige jede Woche ein zusätzliches Lernangebot für Bäcker im ersten
Ausbildungsjahr. Finanziert wird Jans Lehre von der Limburger
Arbeitsagentur.
Jan hatte sich bereits während des Besuchs der
Förderschule für eine Bäckerlehre interessiert. Nachdem er den
Hauptschulabschluss erreicht hatte, besuchte er noch ein Jahr das BGJ-Ernährung.
Ein erster Ausbildungsversuch scheiterte nach sechs Wochen. Jans Berufsberater
bot ihm daraufhin die Teilnahme an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme
(BVB) an. Hier hatte er Gelegenheit, seine Ausbildungsreife weiterzuentwickeln
und über Betriebspraktika Kontakte in Handwerksbetriebe zu knüpfen.
Bäckermeister Michael Sabel bildet seit einem Viertel
Jahrhundert Bäcker aus. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet er auch mit dem BWHW
zusammen, um für den Bildungsträger die Ausbildungsfähigkeit junger Bewerber zu
prüfen. Der Praktikant aus Runkel überzeugte den Handwerksmeister bereits nach
kurzer Zeit. Sabel sagte zu, die Ausbildung selbst zu übernehmen. "Jan ist
zuverlässig und handwerklich begabt. Ich bin zuversichtlich, dass er seine
Prüfung ordentlich besteht", blickt der Ausbilder in die Zukunft. Die guten
Ergebnisse, die Jan vor wenigen Tagen bei einer überbetrieblichen Weiterbildung
in Weiterstadt erzielte, belegen die Erfolgsaussichten. Der Bäckerlehrling
brachte bessere Noten mit nach Hause, als viele seiner nichtbehinderten
Mitstreiter.
Einen wesentlichen Beitrag am Ausbildungserfolg trägt
auch Jans Familie, weiß Uta Martin. Als Bäcker muss Jan spätestens um fünf Uhr
in der Backstube stehen. Weil so früh noch keine öffentlichen Verkehrsmittel
nach Hadamar fahren, bringt ihn seine Mutter täglich in den Ausbildungsbetrieb
und holt ihn auch nach Feierabend wieder ab. Das soll sich ändern, sobald Jan
den Führerschein hat.
Ralf Fischer von der Arbeitsagentur Limburg, hält es
vor dem Hintergrund des demographischen Wandels für notwendig, noch mehr
benachteiligte Jugendliche in die Ausbildung einzubeziehen. Nach Angaben des
Agentursprechers wird die Anzahl der von den Betrieben begehrten
Realschulabgänger im Kreis Limburg-Weilburg bereits bis 2012 um 15 Prozent
abnehmen, während die Zahl der aus Haupt- und Förderschüler in den nächsten
Jahren konstant bleibe. Gleichzeitig würden sich immer mehr Realschüler für
höherwertige Schulabschlüsse und gegen die duale Ausbildung entscheiden. "Damit
den Betrieben die Fachkräfte nicht ausgehen, wird die Limburger Arbeitsagentur
auch in diesem Jahr in Kooperation mit dem BWHW und heimischen Betrieben 90
zusätzliche Ausbildungsplätze für lernbeeinträchtigte oder sozial benachteiligte
Jugendliche einrichten", sagt Fischer.
Jan hat sich inzwischen weitere Ziele gesetzt. "Ich
will Meister werden", verrät der künftige Bäckergeselle. Michael Sabel schließt
das nicht aus, weiß aber, dass bis dahin noch manches Brot in den Ofen geschoben
werden muss.
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