Limburg - Weilburg | 19.08.2010
Bauzeichner
Lange hatte es den Anschein, dass CAD-Programme den Beruf des Bauzeichners überflüssig machen. Dass die neuen EDV-Zeichenprogramme den Bauzeichnerberuf nicht verdrängt, sondern modernisiert haben, zeigt sich jetzt in Betrieben rund um Limburg.
Ob Heizungs-, Klima-, oder Lüftungssysteme, Computer-, Brandmelde- oder Alarmanlagen: Manfred Cromm, von der Gebäudetechnischen Planungsgesellschaft Limburg (GPG) ist ständig unterwegs. Die Beratung eines Unternehmers der seine Produktionshalle umbauen will führt ihn morgens nach Löhnberg. Zwei Stunden später steht ein Planungsgespräch mit einem Bauträger in Idstein im Kalender. Dann geht es wegen einer Idee für Blockheizkraftwerke weiter zu einem Wiesbadener Patentanwalt. Auf dem Rückweg schaut er noch schnell auf einer Baustelle in Bad Homburg nach dem Rechten, bevor er gerade noch rechtzeitig zum Termin im Limburger Bauamt erscheint. "Dass ein Bauingenieur oder Architekt nebenbei Bauzeichnungen ausfertigt, ist heute eher die Ausnahme", sagt der Diplomingenieur. Er glaubt auch nicht, dass sich dies ändere, denn der Preis- und Termindruck in der Branche sei enorm. "Um jederzeit für Kunden und Partner verfügbar zu sein, muss ich diese Arbeiten auf zuverlässige und qualifizierte Mitarbeiter delegieren und wer wäre da besser geeignet als ein guter Bauzeichner?", fragt Cromm, der bereits Zeichner ausgebildet hat. Um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken, hat sich das Team der GPG kurzfristig entschlossen, noch in diesem Jahr neben einem Technischen Zeichner einen weiteren Bauzeichner auszubilden. Nach Angaben der IHK Limburg liegt das Planungsbüro damit im Trend. Die für Ausbildung zuständige IHK-Geschäftsbereichsleiterin Ute Bendel bestätigt, dass sich die Zahl der Ausbildungsverträge im Kammerbezirk seit 2008 verdoppelt habe. Bendel weiter: "Seit zwei Jahren gibt es wieder eine Fachklasse an der Friedrich-Dessauer-Schule in Limburg. Seither hat sich die Domstadt zu einem Zentrum für die Ausbildung der Bauzeichner entwickelt." Die Region rund um Limburg sei traditionell der Bauwirtschaft verbunden. Hoch-, Tief- und Straßenbauunternehmen mit Sitz in Limburg-Weilburg arbeiten weit über die Kreis- und Landesgrenzen hinaus. Gleiches gelte für Planungs- und Ingenieurbüros. Dass die komplette Ausbildung der Zeichner nun vor Ort stattfinde, habe die Qualität der Ausbildung weiter verbessert. Dies würden nicht nur die guten Abschlussnoten dokumentieren, auch die bundesbeste Auszubildende im Beruf "Bauzeichner/in" sei im vorletzten Jahr aus Limburg gekommen. Kirsti Räty vom Arbeitgeberservice von Arbeitsagentur und ARGE Limburg-Weilburg hat bereits die ersten Bauzeichner-Lehrstellen für 2011 vorliegen. Räty war vor ihrer Vermittlertätigkeit als diplomierte Architektin tätig und kennt das Gewerbe. Sie bescheinigt Bauzeichner ebenfalls gute Beschäftigungsaussichten. Neben Ingenieurbüros würden sich auch öffentliche Arbeitgeber für Bauzeichner interessieren. Zum einen hätten die Konjunkturprogramme für einen Investitions- und damit Beschäftigungsschub gesorgt. Aber auch wegen zunehmender Baumängel und Instandhaltungsbedarfe an öffentlichen Gebäuden würden einige mittelhessische Kommunen überlegen, in die Ausbildung einzusteigen. Abiturienten, die sich für ein Architektur- oder Bauingenieurstudium entscheiden, rät die Arbeitsvermittlerin, über eine vorgeschaltete Bauzeichnerausbildung nachzudenken: "Viele Unternehmen ziehen Hochschulabsolventen mit vorheriger Berufsausbildung vor. Diese kennen neben den Arbeitsabläufen in den Planungsbüros auch mögliche Probleme auf den Baustellen und wissen, darauf zu reagieren." Ein weiterer Aspekt sei die Umstellung von Diplom- auf Bachelorstudiengänge. Durch die Verkürzung der Studiendauer gingen Inhalte verloren, die durch praktische Erfahrungen in einem Planungsbüro zum Teil ausgleichen werden könnten. Ferner sei es von Vorteil, bereits mit guten Zeichenkenntnissen ins Studium zu starten. Räty hebt hervor, dass es kaum einen anderen Ausbildungsberuf gäbe, in dem sowohl Haupt- und Realschüler, als auch Abiturienten Einstellungschancen haben. Für Manfred Cromm kommt es weniger auf den Schulabschluss der Bewerber an. "Er oder sie sollte in Mathematik und den Naturwissenschaften fit sein und gerne am Computer arbeiten. Den Rest vermitteln wir in den kommenden drei Jahren", verrät der Ingenieur und verabschiedet sich zum nächsten Termin. Abb: Werden noch in diesem Jahr Bauzeichner ausbilden: Manfred und Kilian Cromm (von links)