Vogelsberg | 26.01.2012

Deckung des Fachkräftebedarfs und Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit werden voraussichtlich größte Herausforderungen 2012
Deckung des Fachkräftebedarfs und Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit werden voraussichtlich größte Herausforderungen 2012
Für das Jahr 2011 zieht die Agentur für Arbeit Gießen eine positive Bilanz. „Wir blicken auf ein erfolgreiches Jahr zurück“, kommentierte Eckart Schäfer, Leiter der Arbeitsagentur Gießen, im Rückblick. „Die Zahl der Arbeitslosen lag 2011 so niedrig, wie seit den frühen neunziger Jahren nicht mehr. Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zeigte, mit dem nie zuvor erreichten hohen Niveau von über 170-tausend Arbeitnehmern, die positive Entwicklung.“
Mit Blick ins neue Jahr sieht Schäfer den bereits spürbaren Fachkräftebedarf als eins der großen Themen. Daher sind die langfristigen Ziele „den Übergang von Schule in den Beruf wirkungsvoll zu gestalten, die Weiterbildung von jüngeren und älteren Arbeitnehmern sowie Frauen stärker in den Fokus zu rücken und die Zahl der Langzeitarbeitslosen weiter zurückzuführen“, so Schäfer.
Hintergrundinformationen im Einzelnen:
Arbeitslosigkeit
Im Jahresdurchschnitt waren 2011 im Agenturbezirk Gießen 18.698 Menschen arbeitslos gemeldet. Dies entspricht einem Rückgang um 2.009 Erwerbslose oder ein Minus von 9,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Arbeitslosenquote sank im Jahresmittelwert von 6,6 Prozent im Jahr 2010 auf nunmehr 5,9 Prozent. 2007 lag die Arbeitslosenquote noch bei 8,4 Prozent.
Gemeldete Arbeitsstellen
Der Arbeitsagentur Gießen sowie den Jobcentern des Kreises Gießen und der Wetterau meldeten Arbeitgeber 2011 insgesamt 15.884 neue Stellen. Dies waren 1.258 Stellen mehr als im Jahr 2010.
Der Bestand an offenen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstellen lag im Jahresschnitt bei 3.790. Gegenüber dem Vorjahreswert ist dies ein Anstieg um gut 28 Prozent oder 844 Stellen.
Besondere Personengruppen:
Männer und Frauen
Differenziert nach Geschlechtern zeichnete sich 2011 ein vergleichbarer Verlauf bei Männern und Frauen ab. Während die Arbeitslosenquote der Männer, nach einem jahresdurchschnittlichen Rückgang um 0,7 Prozent, bei 6,0 Prozent lag, reduzierte sich die Zahl der erwerbslosen Frauen um einen halben Prozentpunkt auf nun 5,9 Prozent.
Ältere Arbeitnehmer
Bei der Generation 50+ konnte, nach einem leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit im Jahr 2010, nun ein Rückgang der Arbeitslosenquote um 0,4 Prozent verzeichnet werden. Damit lag die Zahl der älteren Arbeitslosen im Jahresschnitt bei 5.866 Personen oder 6,8 Prozent.
Jüngere unter 25 Jahren
Die Jugendarbeitslosigkeit konnte das dritte Jahr in Folge gesenkt werden. Aktuell lag die Quote bei 5,3 Prozent, 0,6 Prozent niedriger als noch 2010. Dies entspricht einer jahresdurchschnittlichen Zahl von 1.855 arbeitslosen jungen Menschen, 260 weniger als 2010.
Ein Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit wegen der Abschaffung der Wehrpflicht war nicht zu verzeichnen. Aufgrund des doppelten Abitur-Jahrgangs im Jahr 2012 könnte mit einem Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit zu rechnen sein.
Rechtskreise SGB III und SGB II
Die Anzahl der Arbeitslosen wurde in beiden Rechtskreisen (SGB III Arbeitsagentur und SGB II Jobcenter) gesenkt. Der Anteil, der bei der Agentur für Arbeit gemeldeten Arbeitslosen, fiel dabei stärker als im Bereich SGB II. Im Jahresschnitt waren bei der Agentur für Arbeit Gießen 5.311 Personen erwerbslos gemeldet, 1.198 weniger als im Vorjahr. Bei der Kommunalen-Vermittlungsagentur (KVA) und den Jobcentern in Gießen und der Wetterau waren 2011 im Durchschnitt 13.387 Personen arbeitslos gemeldet, 811 weniger als 2010.
Arbeitsmarktpolitische Instrumente
Arbeitsmarktpolitische Instrumente hatten 2011, wie bereits in 2010, nur einen geringen Anteil an der positiven Arbeitsmarkt-Entwicklung.
Die Unterstützung von Betrieben mit Kurzarbeitergeld war im Bezirk der Arbeitsagentur auf einem sehr niedrigen Niveau.
Die Bereitschaft zur Weiterbildung während der Beschäftigung ist in 2011 weiter gestiegen. So konnten geringqualifizierte und Ältere über 45 Jahre mit gezielten Programmen durch die Agentur für Arbeit Gießen gefördert werden. „Um den Fachkräftebedarf im eigenen Betrieb zu decken, sind Qualifizierungen der eigenen Belegschaft eine gute Möglichkeit“, kommentierte Schäfer. „Höher Qualifizierte sind weniger von Arbeitslosigkeit betroffen.“
Weitere arbeitsmarktpolitische Instrumente waren Trainingsmaßnahmen und vereinzelte Umschulungen sowie Qualifizierungen und Förderungen zur Existenzgründung. Der Schwerpunkt lag dabei auf direkten Hilfen zur Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt.
Ausblick 2012
Für den regionalen Arbeitsmarkt ist die Entwicklung der Beschäftigungslage sowie gesicherte Prognosen nur ansatzweise möglich. Die Wachstumsprognosen der Wirtschaftsinstitute weisen auf einen gebremsten aber positiven Trend hin. Auch Mittelhessen ist von der weltweiten Wirtschaftsentwicklung abhängig und unmittelbar betroffen.
Fachkräftebedarf
In den nächsten Jahren ist in Mittelhessen mit einer weiter steigenden Nachfrage nach Fachkräften zu rechnen. Arbeitgeber werden voraussichtlich für ihre offenen, qualifizierten Stellen nur schwer den passenden Arbeitnehmer finden. Auch bei überregionaler Suche bleibt die passende Auswahl gering.
Eine weitere Herausforderung ist der Ausbildungsmarkt. Da viele Jugendliche einen höheren Schulabschluss anstreben oder noch nicht die nötige Ausbildungsreife haben, stehen sie dem Ausbildungsmarkt nicht zur Verfügung. Geburtenschwache Jahrgänge verschärfen diese Entwicklung. „Viele Betriebe haben die gestiegene Fachkräftenachfrage am eigenen Leib zu spüren bekommen. Dies hat in den Betrieben zu einer erhöhten Sensibilität geführt. Dass sich viele Unternehmen weiterhin in der dualen Ausbildung engagieren und möglichst durch Ausbildung den eigenen Nachwuchs sichern, ist daher anzunehmen“, so Schäfer.
SGB II
Der Bereich SGB II (Jobcenter) ist ein weiteres Schwerpunktthema. Für 2012 sieht Schäfer hier mehrere Herausforderungen: „Der enge Schulterschluss zwischen der Arbeitsagentur Gießen und den Jobcentern Gießen und Wetterau trägt dazu bei, den regionalen Arbeitsmarkt optimal zu bedienen. Dabei ist uns dessen Öffnung für schwächere Arbeitsuchende ein besonderes Anliegen. Nun gilt es gemeinsam, präventiv und nachhaltig den Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit voranzutreiben. Dazu passen Arbeitsagentur und Jobcenter ihre interne Organisation an, um ihre Dienstleistung weiter zu verbessern.“
SGB III
Durch eine Gebietsreform bei den Arbeitsagenturen wird es auch im heimischen Raum geringfügige Änderungen geben. Derzeit sind im Wetteraukreis die Gemeinden Bad Vilbel und Karben der Frankfurter Arbeitsagentur zugeordnet. Nach der Neuorganisation werden dem Bezirk der Agentur für Arbeit Gießen, neben dem Vogelsbergkreis und dem Kreis Gießen, auch der komplette Wetteraukreis zugeteilt. Für Personen, die Dienstleistungen der Arbeitsagenturen in Anspruch nehmen, werden sich absehbar keine Änderungen ergeben.
Fazit
Zum Jahresbeginn ist der Arbeitsmarkt im Bezirk der Agentur für Arbeit Gießen in einer sehr guten Verfassung. Schäfer ist vorsichtig optimistisch, dass „mit den verschiedenen Partnern gemeinsam die Herausforderungen, wie zum Beispiel die demografische Entwicklung, im neuen Jahr zielorientiert und vorausschauend angegangen werden.“
Foto: Eckart Schäfer, Leiter der Arbeitsagentur Gießen. Bild: Arbeitsagentur Gießen
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